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Hemmung der Myopie durch 0.01% Atropin-Augentropfen: Minimaldosis, Sehfunktion und mögliche biologische Mechanismen

Fachliche Zuordnung Augenheilkunde
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 323854133
 
Erstellungsjahr 2023

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Progression der kindlichen Myopie kann durch regelmäßige Gabe von Atropin-Augentropfen verringert werden. Wegen der Möglichkeit störender Nebenwirkungen (Einschränkung des Nahsehens und Blendung durch Pupillenerweiterungen) wurden seit einigen Jahren Formulierungen unterschiedlich stark verdünnter Atropin-Konzentrationen (0.01 – 0.05%) untersucht. Die Mechanismen von Atropin auf die Hemmung der Myopie-Progression sind noch unvollständig bekannt. Eine klinische Studie (SAM IIT) zeigte insgesamt eine gute Verträglichkeit einer Formulierung mit 0.01% Atropin ohne Konservierungsmittel über 13 Monate. Die initiale Auswirkung auf die Pupillenweite ließ nach wenigen Tagen nach. Akkommodation und Kontrastsehen zeigten keine relevante Änderung. Eine Zunahme des Ziliarmuskels im Verlauf zeigte einen Zusammenhang mit der Zunahme der Myopie. Wir haben untersucht, welche sonstigen Wirkungen von Atropin die Myopiehemmung erklären können. Wir haben gefunden, dass Atropin massiv die Dopaminfreisetzung aus der Retina stimuliert. Die myopiehemmende Wirkung von Dopamin ist dagegen schon länger bekannt. Wir haben am Modell des Haushuhns gefunden, dass Atropin massiv die Aderhautschicht hinter der Netzhaut verdickt, und eine dickere Aderhaut wurde schon länger mit Hemmung des Augenwachstums assoziiert. Wir haben gefunden, dass Aderhautverdickung und Dopaminfreisetzung ähnlich Zeitkinetik haben – sie liegt im Stundenbereich, so dass diese Ergebnisse eine regelmäßige Atropingabe nahelegen. Die Dopaminfreisetzung aus der Retina korreliert mit der Aderhautdickenänderung, so dass retinales Dopamin eines der Signale für die Aderhautdicke zu sein scheint. Weitere Ergebnisse waren, dass Bindung von Atropin an alpha2-Adrenorezeptoren wahrscheinlich eine Rolle spielt. Der Bericht beschreibt auch, wie der ursprüngliche Antrag zu vielen weiteren interessanten Projekten geführt hat, wie z.B. die Erkenntnis, dass Lesen mit invertiertem Textkontrast die Myopie hemmen kann. Insgesamt können wir sagen, dass Atropin in der Netzhaut wirkt, Dopamin freisetzt, die Aderhaut verdickt und offensichtlich direkt im Gewebe des hinteren Augenbereichs auf die Myopie wirkt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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