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Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die verschiedenen Facetten des Wohlbefindens von Arbeitslosen und Beschäftigten - eine interdisziplinäre Untersuchung auf Basis von Echtzeitdaten

Fachliche Zuordnung Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung Förderung von 2017 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 327867807
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Rahmen des „German Job Search Panel” (GJSP) wurden mittels Smartphone-App von 2017 bis 2021 deutsche Arbeitsuchende monatlich zu ihrem Wohlbefinden befragt. Zusätzlich wurde bei einem Teil der Befragten die Cortisolkonzentration im Haar (HCC) als Biomarker für Stressbelastung gemessen. Die erhobenen Daten ermöglichten die detaillierte Untersuchung von Auswirkungen des Eintritts in Arbeitslosigkeit auf das subjektive Wohlbefinden und die Gesundheit. Im April 2021 wurde das Projekt verlängert, um die Rolle der COVID-19- Pandemie bei diesen Prozessen zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Lebens- und Einkommenszufriedenheit nach einem Verlust des Arbeitsplatzes signifikant sanken. Auf weitere Facetten des Wohlbefindens zeigten sich aber keine unmittelbaren Effekte. Zudem schien es beim Eintritt in Arbeitslosigkeit keine kurzfristige Adaptation des Wohlbefindens zu geben. Die Wiederbeschäftigungserwartungen während der Arbeitslosigkeit spielten hingegen eine zentrale Rolle. Niedrige Wiederbeschäftigungserwartungen hingen so beispielsweise mit stärkeren Verlusten in der Lebenszufriedenheit zusammen. Des Weiteren zeigte sich, dass individuelle Ressourcen (z.B. eudaimonisches Wohlbefinden, proaktive Bewältigungsstategien) die Effekte der Arbeitslosigkeit auf unterschiedliche Wohlbefindensfacetten kaum abmilderten. Die HCC war zum ersten Messzeitpunkt am höchsten, also während Teilnehmende noch beschäftigt waren, aber schon wussten, dass sie ihren Job bald verlieren könnten. Personen mit niedrigen Wiederbeschäftigungserwartungen wiesen stärkere Zunahmen der HCC auf als Personen mit hohen Wiederbeschäftigungserwartungen. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass sich Arbeitslosigkeit nicht per se auf das physiologische Stresssystem auswirkt, sondern vor allem die berufliche Unsicherheit mit erhöhter Cortisolausschüttung verbunden ist. Außerdem zeigte sich, dass Veränderungen in diversen Wohlbefindensfacetten spätere Veränderungen in der HCC nicht vorhersagen konnten. In Hinsicht auf die Pandemie deuten die Daten auf eine Verschlechterung der mentalen Gesundheit von Arbeitnehmern im Allgemeinen im ersten und im zweiten Lockdown hin. Insgesamt hat sich die Pandemie auf unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen sehr homogen ausgewirkt. Bei Personen in Kurzarbeit sank das Wohlbefinden aber stärker als bei anderen Personengruppen. Hingegen waren Arbeitslose nicht besonders stark von der Pandemie betroffen: Sofern sich überhaupt Unterschiede zeigten, ging es den Arbeitslosen während der Pandemie im Vergleich zu den Beschäftigten eher besser als vor der Pandemie. Schließlich zeigte ein methodologisches Experiment auf Basis einer randomisierten Zuweisung, dass die Teilnahme an der Studie die späteren Erwerbsverläufe der Teilnehmenden im Mittel nicht beeinflusste.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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