Konzeptionalisierung der EP-Staaten: Die Rolle von Macht, Geld und Identität
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Aufstrebende Mächte wie Brasilien, Indien und China – die sogenannten „Emerging Powers“ (EPs) – sorgen seit Anfang der 2000er Jahre für Aufsehen in der internationalen Politik. Trotz einer stetig wachsenden Literatur, welche sich mit der sich verändernden Rolle der EPs in der Welt befasst, wissen wir immer noch wenig über das Konzept selbst. Was kennzeichnet eine aufstrebende Macht? Und wie unterscheiden sie sich von anderen Staatstypen? Dieses Projekt befasst sich mit diesen Fragen, indem es die Aktivitäten von drei aufstrebenden Mächten (Brasilien, Indien und China) in globalen und nationalen wirtschaftlichen und digitalen Governance-Bereichen untersucht. Konzeptionell unterstreicht meine Arbeit die Einzigartigkeit der Strategien und Motivationen der einzelnen EPs, wobei Brasilien, Indien und China unterschiedliche Governance-Strategien anwenden, um einzigartigen innenpolitischen und systemischstrukturellen Druck gerecht zu werden. Gleichzeitig stelle ich ein gewisses Maß an Kohärenz im EP-Konzept her, indem ich die kombinierte Bedeutung von materieller Stärke, gegenseitiger Anerkennung und diplomatischen Ambitionen für die Identifizierung veranschauliche. Insbesondere die diplomatischen Ambitionen der EPs, mehr Einfluss auf der globalen Bühne auszuüben, scheinen notwendig, wenn auch nicht ausreichend, um diese Staaten zu identifizieren. Schließlich verwende ich die identifizierten Merkmale, um EPs von Entwicklungsländern und etablierten Mächten zu unterscheiden. Während diplomatische Ambitionen ein entscheidender Faktor zur Unterscheidung zwischen aufstrebenden und etablierten Mächten sind, spielt auch die materielle Stärke bei der Unterscheidung zwischen EPs und Entwicklungsländern eine Rolle. Empirisch gesehen unterstreicht meine Forschung zwar die Bedeutung der diplomatischen Ambitionen der EPs für die globale wirtschaftliche und digitale Governance, sie legt aber auch nahe, dass die kollektive Verwirklichung der diplomatischen Ambitionen der EPs aus mehreren Gründen zunehmend unwahrscheinlich erscheint. Dazu gehören die wachsende Bedeutung des Wettbewerbsdrucks unter den EPs; ein Scheitern der Zusammenarbeit in Themenbereichen in denen die Governance-Landschaft nicht auf eine begrenzte Anzahl von Institutionen zentriert ist; und die Auswirkungen von sowohl systematisch-strukturellem als auch individuellem innenpolitischen Druck, der die politischen "Opfer", von denen kollektiver EP-Aktivismus abhängt, unwahrscheinlich erscheinen lässt. Darüber hinaus finde ich wenig Anhaltspunkte dafür, dass der digitale Wandel und der Aufstieg der EPs die globale Politik grundlegend verändern werden, indem sie beispielsweise Machtverschiebungen zugunsten der Entwicklungsländer bewirken oder die globale Zusammenarbeit effektiver oder inklusiver machen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Conceptualising Emerging Powers. The Palgrave Handbook of Contemporary International Political Economy, 217-231. Palgrave Macmillan UK.
Mahrenbach, Laura C.
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Dataset: Policy Visions of Big Data in Brazil, India and China.
Mahrenbach, Laura C.; Katja Mayer & Jürgen Pfeffer
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Policy visions of big data: views from the Global South. Third World Quarterly, 39(10), 1861-1882.
Mahrenbach, Laura C.; Mayer, Katja & Pfeffer, Jürgen
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The Promises and Challenges of Digitalization and Development in Major Emerging Markets. Emerging Global Governance Essay. Global Policy.
Mahrenbach, Laura C.
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Dataset: British Preference Formation during G20 Negotiations over Tax Reform: 2009-2013.
Mahrenbach, Laura C.
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The domestic foundations of emerging and established state trade cooperation. The International Political Economy of the BRICS, 57-74. Routledge.
Mahrenbach, Laura C.
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Measuring political legitimacy with Twitter: Insights from India’s Aadhaar program. New Media & Society, 25(10), 2704-2723.
Mahrenbach, Laura C. & Pfeffer, Jürgen
