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Die Modulierung der extrazellulären Matrix und die Hemmung des klonalen Überlebensvorteils von CCM3-/- Endothelzellen als neue Angriffspunkte auf dem Weg zu zielgerichteten CCM-Therapiestrategien

Fachliche Zuordnung Molekulare Biologie und Physiologie von Nerven- und Gliazellen
Humangenetik
Förderung Förderung von 2017 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 383067719
 
Erstellungsjahr 2023

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Zerebrale kavernöse Malformationen (CCM) können zu Krampfanfällen, Lähmungen oder Sprachstörungen führen. Obwohl es sich bei der hereditären Form um eine seltene Erkrankung handelt, leben weltweit wahrscheinlich mehr als zwei Millionen Menschen mit einer erblichen CCM-Erkrankung. Besonders Patient*innen mit pathogenen CCM3-Varianten fallen oft mit einem frühen Manifestationsalter und einem schwereren Krankheitsverlauf auf. In Übereinstimmung mit dem 3R-Prinzip ist es in diesem Projekt gelungen, durch die CRISPR/Cas9-vermittelte CCM3-Inaktivierung in humanen Endothelzellen (ECs) bekannte Charakteristika der komplexen CCM-Pathogenese in vitro abzubilden. Zudem konnte erstmals gezeigt werden, dass die CCM3-Inaktivierung die Expression des wichtigen Matrixbestandteils Fibronektin stört. Die Supplementierung von Fibronektin normalisierte die Zellmorphologie, die Anordnung des Aktinzytoskeletts sowie die Organisation in dreidimensionalen Sphäroiden, nicht jedoch typische Genexpressionsunterschiede in CCM3-defizienten ECs. Unsere Untersuchungen rückten in Übereinstimmung mit Beobachtungen aus CCM-Mausmodellen zudem einen neuen Aspekt der Krankheitsentstehung in den Fokus des Interesses. CCMs sind keine bösartigen Tumoren. Nichtsdestotrotz zeigen unsere Ergebnisse, dass „tumorähnliche“ Mechanismen in der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen. So zeigen CCM3-defiziente ECs eine abnorm starke Proliferation, wenn sie in Kontakt mit Wildtyp-Zellen kommen. In der Testung einer Apoptosemodulierenden Wirkstoffbibliothek wurde mit NSC59984 zudem ein bisher nur im Krebskontext beschriebener Wirkstoff identifiziert, der die abnorme Proliferation der veränderten Zellen effektiv hemmen kann. Die Projektergebnisse fügen sich damit sehr gut in den hochaktuellen Trend der internationalen Forschung zu vaskulären Malformationen, in der das Repurposing von Krebsmedikamenten intensiv als neuer Therapieansatz diskutiert wird. Da in CCMs ein Mosaik aus Zellen mit verlorener und erhaltener Expression der CCM-Gene vorliegt, sind auch die Ergebnisse unserer RNA- Sequenzierungen relevant, die zeigen, dass die beiden Zelltypen sich auch auf molekularer Ebene stark beeinflussen. Die Interaktion dieser Zellen noch besser zu verstehen, wird eine der Hauptaufgaben auf dem weiteren Weg zur Entwicklung zielgerichteter Therapiestrategien sein.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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