Zugrundeliegende Mechanismen des Zusammenhangs zwischen Stress und Alkoholkonsum bei Gelegenheits- und Risikotrinkern.
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Stress und belastende Ereignisse stellen einen wichtigen Risikofaktor für übermäßigen Alkoholkonsum und Alkoholkonsumstörungen dar. Die zugrundliegenden Mechanismen dieses Zusammenhangs sind jedoch bislang nur unzureichend verstanden. In einer randomisierten kontrollierten Laboruntersuchung sollten deshalb mögliche Moderatoren und Mediatoren des Zusammenhangs zwischen einer experimentellen Stressinduktion und Alkoholkonsum bei Gelegenheits- und Risikotrinkern untersucht werden. Hierfür wurde eine männliche Stichprobe gesunder Probanden rekrutiert, die einerseits anhand ihres Trinkverhaltens der letzten 30 Tage stratifiziert und zudem in eine Experimental- bzw. Kontrollbedingung randomisiert wurden. Psychosozialer Stress wurde durch den Einsatz des Trier Sozial Stress Test induziert. Als abhängige Variablen dienten Alkoholcraving und Bereitschaft zum Alkoholkonsum im Ad-libitum Taste Test. Als mögliche Moderatoren wurden aversive Kindheitserfahrungen, Trait Impulsivität und Trait Ängstlichkeit untersucht. Weiterhin wurden alkoholbezogenen Aufmerksamkeitsverzerrungen (Dot Probe Task), State Impulsivität (Delay Discounting Task), Inhibitorische Kontrolle (GoNogo Task) und Stressreaktivität (Cortisol- und Alpha-Amylase Reaktivität) als mögliche Mediatoren untersucht. Das Paradigma zur Stressinduktion (Trier Sozialer Stress Test) löste relativ zu einer Kontrollgruppe eine deutliche Stressreaktion bei den Probanden aus. Im Mittel fanden sich in der Stress- im Vergleich zur Kontrollgruppe höhere Werte in alkoholbezogenem Craving, nicht jedoch in der Bereitschaft, nach dem Stressor Alkohol zu konsumieren. Der Zusammenhang zwischen Stressexposition und Craving war zudem stärker bei Personen mit hohem Ausmaß in verschiedenen Facetten von Trait Impulsivität sowie bei hoher Trait Ängstlichkeit. Es zeigte sich keine Hinweise auf eine Mediation der Zusammenhänge durch die untersuchten potenziellen Mechanismen. Die Durchführung des Projektes war in großen Teilen geprägt von den Auswirkungen der COVID-19 Pandemie, welche deutliche Einschränkungen in Rekrutierung und Durchführung zur Folge hatten. Dennoch konnten über eine Laufzeitverlängerung und durch kompensatorische Maßnahmen etwa 75% des Rekrutierungsziels erreicht werden, womit die Beantwortbarkeit eines Großteils der Fragestellungen sichergestellt wurde. Trotz dieser Einschränkungen ergeben sich aus dem Projekt wertvolle Erkenntnisse für weitere Forschungsvorhaben und bestimmte Anwendungsaspekte. So weisen die Ergebnisse auf die Bedeutsamkeit des Übergangs von stressbedingtem Craving und der tatsächlichen Konsumbereitschaft hin, dessen Bedingungen und Moderatoren künftig untersucht werden sollten. Die zahlreichen Nullbefunde im Hinblick auf mögliche Mechanismen machen zudem gemeinsam mit ähnlichen Befunden anderer Studien deutlich, dass die theoretischen Annahmen zu den zugrundeliegenden Faktoren im Zusammenhang zwischen Stress und Alkoholkonsum weiterer Forschung bedürfen. Die Befunde zur moderierenden Rolle von Trait Impulsivität und Trait Ängstlichkeit im Zusammenhang zwischen Stressexposition und Craving stellen einen vielversprechenden Ansatz dar, den Einsatz bestehender Interventionen zur Veränderung dieser Merkmale vor einer Stressexposition zur Reduktion von stressbedingtem Craving zu testen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Zugrundeliegende Mechanismen des Zusammenhangs von Stress und Alkoholkonsum bei Gelegenheitsund Risikotrinkern (MESA): Methoden und Design einer randomisierten Laborstudie. Poster auf dem 38. Symposium der Fachgruppe klinische Psychologie und Psychotherapie der DGPs. 12.5-15.5. 2021 in Mannheim.Zugrundeliegende Mechanismen des Zusammenhangs von Stress und Alkoholkonsum bei Gelegenheitsund Risikotrinkern (MESA): Methoden und Design einer randomisierten Laborstudie. Poster auf dem 38. Symposium der Fachgruppe klinische Psychologie und Psychotherapie der DGPs. 12.5-15.5. 2021 in Mannheim.
Wittgens, C., Muehlhan, M., Kräplin, A., Spindler, C. & Trautmann, S.
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Der Ad-libitum Taste Test: Validierung eines Paradigmas zur Messung von Alkoholkonsum im Labor. Poster auf dem Deutschen Psychotherapiekongress 2022. 7-11 Juni 2022 in Berlin.
Wittgens, C., Muehlhan, M., Kräplin, A. & Trautmann, S.
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Underlying mechanisms in the relationship between stress and alcohol consumption in regular and risky drinkers (MESA): methods and design of a randomized laboratory study. BMC Psychology, 10(1).
Wittgens, Charlotte; Muehlhan, Markus; Kräplin, Anja; Wolff, Max & Trautmann, Sebastian
