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John Philip Sousa and Musical Americanism in Continental Europe, 1893-1917

Subject Area Musicology
Term from 2017 to 2022
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 387748861
 
Final Report Year 2022

Final Report Abstract

Im Projekt wurde erstmals die unmittelbare und mittelbare Wirkung des Komponisten und Dirigenten John Philip Sousa und damit des um 1900 weltweit prominentesten amerikanischen Musikers auf dem europäischen Kontinent umfassend aufgearbeitet. Im Zuge dieser Untersuchung wurden das Ausgreifen des europäischen Diskurses über Amerikanisierung und Modernisierung vor 1917 auf den musikalischen Bereich dargestellt; Importe amerikanischer Musik und ‚amerikanistische‘ Musik gemäß Hofmeister-Monatsberichten katalogisiert und damit nicht nur der eigenen Arbeit, sondern auch weiteren Forschungen über den europäischen musikalischen Amerikanismus um 1900 eine hilfreiche Basis geschaffen; europäische (vor allem deutsche) amerikanistische Notenausgaben gesammelt und einer Korpus-Analyse unterworfen, die es erlaubte, eine nach Gattungen differenzierte Idiomatik der amerikani(sti)schen Musik vom Anfang des 20. Jahrhunderts zu definieren und in ihren Wandlungen zu beschreiben. Es konnten in mehrfacher Hinsicht neue Erkenntnisse und Perspektiven gewonnen werden, die geeignet sind, die Forschung zu den transatlantischen Musikbeziehungen zu befruchten und bestehende zu modifizieren: Sousas historische Schlüsselrolle als Mittler amerikanischer Musik wurde entscheidend untermauert. - Anhand des publizistischen Schaffens von Max Chop wurde gezeigt, wie stark der musikalische Einfluss aus den USA auf der populären Ebene schon vor dem Ersten Weltkrieg empfunden wurde. - Es wurde gezeigt, dass der musikalische Amerikanismus als kontinuierliche (allerdings bei den Achsenmächten unterbrochene) Strömung Vor- und Nachriegszeit verbindet. Die Etablierung des Jazz bzw. als Jazz rezipierter Musik in Europa bedeutete keinen revolutionären Umbruch. - Der Konstruktion einer „Vorgeschichte des Jazz“ mit ihrer Tendenz zur historischen Verengung wurde eine Sichtweise entgegengesetzt, die Cakewalk und Ragtime in ihrer Beziehung zur Tradition sowie zur anderen bedeutenden amerikanistischen ‚Leitgattung‘ um 1900, dem Marsch-Twostep betrachtet, statt sie aus dem Globalzusammenhang des transatlantischen Musiktransfers zu isolieren. Eine besondere Qualität des Projekts besteht in der Rückkopplung der Rezeptionsforschung an musikalische Analyse (die sich im Interesse größtmöglicher Zugänglichkeit auf die Begriffe der traditionellen Tonsatz- und allgemeinen Musiklehre beschränkt). Kulturhistorische Ansätze bei der Auseinandersetzung mit dem transatlantischen Musiktransfer um 1900, wie sie etwa Rae Beth Brown (Dances with Darwin, Farnham 2009), Astrid Kusser (Körper in Schieflage, Bielefeld 2013) und Kerstin Lange vertreten, erfahren somit eine substanzielle Ergänzung.

Publications

  • Eisler and the ‘Coon Song’, in: Danish Yearbook of Musicology 43:2 (2019), S. 34–46
    Tobias Faßhauer
  • Fesche Märsche. Hanns Eisler und die Militärmusik, in: Eisler-Mitteilungen 67 (April 2019), S. 4–17
    Tobias Faßhauer
  • „Zur Tonalität und Harmonik in der mittleren Musik, 1850–1920“, in: Ariane Jeßulat, Volker Helbing, Michael Polth (Hg.), Am Rand der Tonalität. Brüche – Rekonstruktionen – Nachleben, Würzburg 2020
    Tobias Faßhauer
  • „‘Wagner was a brass band man, anyway’. Wagnerismus, Amerikanismus und populäre Orientierung bei John Philip Sousa“, in: Wagnerspectrum, Heft 2/2020 (Bd. 32), S. 65–97
    Tobias Faßhauer
  • „Ragtime für die Polka. Musikalische Amerika-Signaturen in Puccinis La fanciulla del West“, in: Thomas Fesefeldt et al. (Hg.), Kombinatorik und Spiel. Festschrift für Stefan Prey (online)
    Tobias Faßhauer
  • „‘Wenn das Banjo zittert’. Americanism in Popular Songs of the Wilhelmine Era“, in: Derek Scott (Hg.), Popular Song in the Nineteenth Century, Turnhout 2022, S. 61–78
    Tobias Faßhauer
 
 

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