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Detention, Forced Labor and Work Migration. Greeks in the Third Reich

Subject Area Modern and Contemporary History
Term from 2018 to 2021
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 392562237
 
Final Report Year 2022

Final Report Abstract

Anhand der Untersuchung der Geschichte der während des Zweiten Weltkriegs zwangsdeportierten Griechen leistet die vorliegende Arbeit einen Beitrag zur Ausweitung der Kriegsgeschichte und eröffnet gleichzeitig eine neue Perspektive auf die verschiedenen aus Griechenland nach Deutschland deportierten Individuen bzw. Verfolgten. Unter Einbeziehung der freiwillig angeworbenen Zivilarbeiter wird ferner diskutiert, wo die Grenzen zwischen Verschleppung, Vertreibung und Migration verlaufen, um dadurch die vielfältigen Auswirkungen des Krieges bzw. der Besatzungsherrschaft in einem spezifischen nationalen Kontext sichtbar zu machen. Aus der Auswertung des diversen bzw. umfangreichen listenmäßigen Materials (Arolsen Archives, USHMM usw.) ergaben sich wertvolle Angaben über die kriegsbedingte Anwesenheit von Griechen im Dritten Reich sowohl in statistischer sondern auch in qualitativer Hinsicht. Diese Angaben sind auf Excel-Tabellen aufgeführt und in mehreren Datenbanken (Sterbefälle von KL-Häftlingen, namentliche Erfassung von Zivilarbeitern usw.) mit insgesamt mehr als 15.000 namentlich erfassten Fälle zusammengesetzt worden, die wiederum nach verschiedenen eingesetzten Filtern – Haftorten, Orten des „Arbeitseinsatzes“, Sterbefällen, Sterbeorten usw. – aussortiert werden können. Die nachgewiesene Tatsache, dass dreimal so viele Griechen freiwillig als zwangsweise während des Krieges ins Dritte Reich abtransportiert worden waren, war für den Bearbeiter eine Überraschung, die einwandfrei die wirtschaftliche und soziale Kriegsgeschichte Griechenlands neu interpretieren lässt. Neben Forschungsinstitutionen und Bibliotheken wurde die Recherche vom Anfang an auf Personalien und im Privatbesitz befindendem Material angewiesen, darunter aller Art von Ego-Dokumenten. Bisher sind vier (4) handgeschriebenen Tagebücher ehemaliger Zwangsarbeiter ausfindig gemacht und ausgewertet werden. Neben der Recherche und der Auswertung von Quellenmaterial hat sich der Projektbearbeiter bemüht, Akademiker und Forscher im deutschen und internationalen Raum auf sein Werk aufmerksam zu machen und somit sein akademisches Profil weiter aufzubauen. Eine schon im Herbst 2018 etablierte Kontakt mit der KZ Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen (Leiter: Herr Volker Mall) wuchs sich im Laufe der Projektzeit zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit im Zuge eines Editionsprojekts (Book On Demand), das sich mit einem in August 1944 nach Baden Württemberg zugeschickten Zwangsarbeitertransport aus Athen befasst und das hauptsächlich auf Quellenmaterial beruht, die zum größten Teil vom Bearbeiter persönlich entdeckt worden sind. Erwähnt werden soll der Austausch mit Forschungseinrichtungen, wie die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das NS-Zwangsarbeit Dokumentationszentrum Schöneweide und die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Der letzteren soll in der Zukunft eine Datenbank in der Form einer Excel-Tabelle zur Verfügung gestellt werden, auf der die meisten Namen des ca. 1000 Menschen umfassenden Athener Häftlingstransports vom 4. Juni 1944 verzeichnet werden. Am 24. Februar 2022 wurde der Habilitand vom Dokumentationszentrum Schöneweide zum einem Vortrag über jüdische Zwangsarbeit in Griechenland (Titel: Deutsche Besatzung, Zwangsarbeit und Holocaust in Griechenland, 1941-1944) eingeladen. Dabei wurden u.a. die Forschungsergebnisse des unter der Leitung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas laufenden Projekts „Dokumentation NS-Zwangsarbeit in Karya, Griechenland“ dargestellt, im Rahmen dessen der Habilitand verschiedene Forschungsleistungen erbracht hat. Angesichts der thematischen Breite des Projekts als auch des allgemeinen Mangels an Forschungen über die griechische KL-Bevölkerung sollen die Anwendungsperspektiven im deutschen und internationalen Forschungsraum als facettenreich betrachtet werden.

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