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Rollen in Relation: Das poetische Ich in verschiedenen Gattungen bei Pindar

Fachliche Zuordnung Griechische und Lateinische Philologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 394803053
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Frage, wie sich die Sprecherinstanz in den Gedichten des frühgriechischen Lyrikers Pindar adäquat verstehen lässt, gehört zu den umstrittensten Themen der Forschung zur frühgriechischen Lyrik. Lange bestimmte Mary Lefkowitz die Diskussion mit ihrer These, die erste Person bezeichne in den Epinikien stets den Dichter, in den „reinen Chorliedern“ dagegen den Chor; jüngere Forscher stellen diese Dichotomie zu Recht in Frage, doch scheint ein konsistentes neues Gesamtbild weiter entfernt denn je. Das abgeschlossene Projekt bzw. die darauf hervorgegangene Monographie versucht die festgefahrene Diskussion durch einen doppelten Perspektivwechsel zu beleben. Zunächst löst sich das Buch von der nicht umfassend zu beantwortenden Frage, auf welche extradiskursiven Instanzen das poetische Ich verweist („wer spricht?“); stattdessen wird der Blick auf die im Text angelegten oder implizierten Beziehungsgefüge gerichtet und gefragt, welche Rollen das poetische Ich als sozialer Akteur in den verschiedenen Beziehungen einnimmt. Als zweite Neuerung nimmt das Buch die ganze Vielfalt des pindarischen Oeuvres in den Blick, berücksichtigt also auch und gerade die fragmentarisch überlieferten Gattungen. Hierbei treten in vielen Fällen Korrelationen zwischen der Rollenkonstruktion und dem Gattungsrahmen zutage. In drei großen Teilen („Verbundenheit und Abgrenzung“, „Vermittlung“, „Interaktion“) untersucht das Buch systematisch verschiedene Formen relationaler Rollenbestimmung in den einzelnen Gattungen und arbeitet in eingehenden Textanalysen die teils deutlichen, teils subtilen Bezüge zwischen Rolle und Gattung heraus. Auf diese Art weist das Buch nicht nur einen neuen Weg zum Verständnis des wandlungsfähigen poetischen Ichs, sondern nimmt zugleich eine Neuvermessung von Pindars vielseitigem Werk vor.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Rollen in Relation. Das poetische Ich in verschiedenen Gattungen bei Pindar (Zetemata 156)
    Thomas Kuhn-Treichel
  • Metaleptische Bilder des Erzählens. De Gruyter.
    Kuhn-Treichel, Thomas
  • Wer erfand die Instrumente und warum ist das wichtig? Musische Erfinder und Erfindungen bei Pindar, in: M. Baumbach (Hg.), Erfinden – Erschaffen – Erdichten. Konzepte und Inszenierungen von ‚Ersten ErfinderInnen‘ in der antiken Literatur und ihrer Rezeption, Darmstadt 2023, 105–129.
    Thomas Kuhn-Treichel
 
 

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