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Sprachaudiometrie, Aufmerksamkeit und Alter

Fachliche Zuordnung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Phoniatrie und Audiologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 398038798
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Zusammen mit dem ersten Projektabschnitt adressierte dieses Projekt Aufmerksamkeitsaspekte im Rahmen erweiterter sprachaudiometrischer Methoden bei Personen unterschiedlichen Alters mit und ohne Hörstörungen. Hierzu gehörte vor allem der Vergleich von statischen und dynamischen Cocktail-Party Situationen, welcher unterschiedliche Arten der Aufmerksamkeit (selektiv, geteilt, wechselnd) berücksichtigt. Situationen mit dynamisch wechselnden Zielsprechern erzeugen gegenüber statischen Situationen „Kosten“ und haben eine besondere Alltagsrelevanz. Sie sind daher von besonderem Interesse für eine ökologisch valide Beurteilung des Sprachverstehens und der einhergehenden kognitiven Belastung. Neben grundlegenden alters- und hörverlustassoziierten Effekten in dynamischen Cocktail-Party Situationen, die im ersten Projektabschnitt beschrieben wurden, widmete sich der zweite Abschnitt spezifischeren Aspekten. Hierzu gehörten die Untersuchung von Lateralitätseffekten, Trägheitseffekten beim Umschalten der räumlichen Aufmerksamkeit, sowie semantischen Kontexteffekten bei dynamisch wechselnden Sprechern. Dabei konnte festgestellt werden, dass der bislang v.a. mit sehr einfachen dichotischen Stimuli (z.B. Silben) beschriebene Vorteil des rechten Ohres auch in Cocktail-Party Situationen auftritt und unter der kognitiven Belastung einer dynamischen Situation besonders stark ausgeprägt ist. Dies war unabhängig von Alter und Hörverlust der Probanden zu beobachten. Bezüglich der Trägheitseffekte wurde basierend auf der bisherigen Literatur zu psychoakustischen Mechanismen erwartet, dass die Kosten bei dynamisch wechselnden Sprechern höher sind, wenn größere Winkelsprünge zwischen den Sprecherpositionen überbrückt werden. Ein solcher Zusammenhang konnte allerdings nicht nachgewiesen werden, so dass für das Verstehen von Sprache möglicherweise andere Mechanismen vorliegen als für die in der Literatur bislang beschriebenen einfachen akustischen Reize. Auch hinsichtlich semantischer Kontexteffekte waren die gewonnenen Ergebnisse nicht hypothesenkonform. Während erwartet wurde, dass Alltagssätze aufgrund ihrer Kontextinformationen niedrigere Kosten in dynamischen Situationen verursachen als Matrixsätze, ergab sich der gegenteilige Befund, der tendenziell besonders bei den älteren Versuchspersonen ausgeprägt war. Ein Erklärungsansatz ist, dass die Nutzung von Kontextinformationen an sich und andererseits das Inhibieren von konkurrierender Sprache mit hohem semantischem Kontext mit einer kognitiven Belastung verbunden sind, welche die Kosten bei dynamischem Sprecherwechsel erhöhen. Insgesamt hat das Projekt einen umfangreichen Beitrag hinsichtlich des Sprachverstehens in alltagsrelevanten dynamischen Cocktail-Party Situationen geleistet, die zukünftig für die Weiterentwicklung ökologisch valider Verfahren zur Erfassung der Auswirkungen von Hörstörungen und der Effekte der Hörrehabilitation genutzt werden können.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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