Detailseite
Projekt Druckansicht

Cognitive Bias Modification bei Tabakabhängigkeit mittels eines Approach-Avoidance Task (CBM-AAT): Eine randomisierte kontrollierte doppelblinde Interventionsstudie

Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 400191147
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Tabakabhängigkeit stellt eine der häufigsten psychischen Störungen in Deutschland dar und ist mit enormen negativen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen verbunden. Obwohl die Mehrheit der rauchenden Personen mit dem Rauchen aufhören möchte, erreicht nur eine Minderheit dauerhafte Abstinenz. Eine Erklärung für dieses Paradoxon liefern Studien, die zeigen konnten, dass automatische Prozesse, beispielsweise automatische Annäherungstendenzen gegenüber rauchrelevanten Reizen, die nur schwer willentlich zu kontrollieren sind, eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung von Tabakabhängigkeit zukommt. Aus diesem Grund wurden Trainings entwickelt (sog. Cognitive Bias Modification [CBM]), die auf eine Modifikation dysfunktionaler automatischer Prozesse abzielen. Um gezielt automatische Annäherungstendenzen gegenüber störungsrelevanten Reizen zu verändern, werden den Teilnehmenden beispielsweise rauchrelevante und neutrale Bilder präsentiert, auf die mit Heranziehen oder Wegdrücken eines Joysticks reagiert werden muss. In CBM Trainings wird die Instruktion so gewählt, dass die Mehrzahl der störungsrelevanten Reize weggedrückt und die Mehrzahl der neutralen Bilder (>80%) herangezogen werden muss. Auf diese Weise sollen automatische Annäherungstendenzen gegenüber störungsrelevanten Reizen reduziert und positive Effekte auf das Problemverhalten erzielt werden. Durch die Kombination der Standardbehandlung mit CBM Trainings konnten die langfristigen Abstinenzraten bei abstinenten Patient:innen mit Alkoholabhängigkeit um 8-13% gesteigert werden. Ziel der vorliegenden randomisiert-kontrollierten, doppelblinden Studie war es, die Wirksamkeit und die Wirkmechanismen eines etablierten Rauchentwöhnungsprogramms in Kombination mit CBM bei Personen mit Tabakabhängigkeit zu untersuchen. Die finale Stichprobe umfasste 351 Personen. Alle Teilnehmenden erhielten einen eintägigen Rauchfrei Kurs und optional sieben Tage nach dem Kurs ein kurzes Telefoncoaching. Im Anschluss an den Rauchfrei Kurs wurden die Teilnehmenden kursweise einer von drei Bedingungen zugeteilt: (1) Rauchfrei Kurs in Kombination mit CBM, (2) Rauchfrei Kurs in Kombination mit einem Kontrolltraining (Sham), (3) Rauchfrei Kurs ohne weiteres Training. Alle Teilnehmenden nahmen vor, direkt im Anschluss an die Intervention sowie 6 Monate (Follow-Up) nach dem Rauchstopp an Untersuchungen teil. Zum Follow-Up waren 17,7% der Teilnehmenden abstinent, wobei sich wider Erwarten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen zeigten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass automatische Annäherungstendenzen bei langjähriger Tabakabhängigkeit und bei abstinenzmotivierten Personen kein relevanter aufrechterhaltender Faktor sind. Zukünftige Studie sollten die Relevante anderer Prozesse, beispielsweise Defizite der Inhibition, untersuchen. Zudem sollte zukünftige Forschung darauf abzielen, besser situative Faktoren, die die Verarbeitung rauchrelevanter Reize beeinflussen, zu verstehen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung