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Das Haus in der Stadt vor 1300

Fachliche Zuordnung Architektur, Bau- und Konstruktionsgeschichte, Bauforschung, Ressourcenökonomie im Bauwesen
Germanistische Mediävistik (Ältere deutsche Literatur)
Kunstgeschichte
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 411256083
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt „Das Haus in der Stadt vor 1300“ beschäftigte sich mit dem profanen städtischen Wohnhaus. Im Projekt wurden die Forschungen der Bau- und Hausforschung, der Kunstgeschichte, der Mittelalterarchäologie, der Stadtgeschichtsforschung, der Restaurierungswissenschaften sowie der mediävistischen Germanistik zusammengefasst, Erkenntnisse daraus miteinander verglichen, angepasst und neue Erkenntnisse gewonnen. Die „mittelalterliche Stadt“ ist eine neue Rechts- und Bauform, deren Anfang ungefähr um 1100 zu finden ist. Am Anfang steht dabei die Gewährung neuer Rechte, wie beispielsweise das Freizinsrecht, dass es erlaubt, einen Stadthof zu besitzen, zu verändern, zu verkaufen und zu vererben. Der neue Rechtsraum „Stadt“ wird nach außen mit einer Befestigung ausgesondert; im Inneren erfolgt die bauliche Ausgestaltung strukturiert und geplant. Diese umfasst Wasserbaumaßnahmen, die Anlage eines regelmäßigen Straßenrasters und die Aufteilung des Stadtraums in annähernd gleichmäßige Parzellen. Die Stadt des 12. und 13. Jahrhunderts ist eine geplante Stadt unter Einbeziehung älterer Strukturen. Auf den Parzellen ist die Struktur der Bebauung im gesamten deutschsprachigen überraschend ähnlich, wenngleich material- und konstruktionsbedingte Unterschiede und lokaltypische Formen diese Gleichartigkeit häufig verwischen: in der ersten Phase ist es ein „Wohnen unter vielen Dächern“: der beheizbare Wohnteil ist klein, im hinteren Bereich des Grundstücks gelegen (in einigen Regionen als „Kemenate“ bezeichnet) und immer in Kombination mit mindestens einem weiteren, größeren Gebäude errichtet, in dem Handel, Handwerk, Lagern und die Zubereitung von Speisen untergebracht sind. In einer späteren Phase, die je nach Region noch im 13. oder erst im 14., z.T. sogar erst im 16. Jahrhundert einsetzt, werden alle Funktionen in einem großen Haus vereint: „Wohnen unter einem Dach“. Im gleichen Wechsel vom „Wohnen unter vielen Dächern“ zu einem „Wohnen unter einem Dach“ findet auch eine veränderte Ausgestaltung der Innenräume statt. In einer nahezu vollständigen Erfassung aller bekannten Architekturfassungen und -malereien im städtischen Profanbau vor 1350 konnte gezeigt werden, dass polychrome Raumgestaltungen erst mit dem Übergang in die spätere Phase aufkommen. Besonders kommt dabei ein Raumtyp zum Tragen, der im städtischen Wohnhaus neu in dieser späten Phase entsteht: der Saal. Sowohl der Saal wie auch die Kemenate sind als Raumtypen adliger Anlagen bekannt. Ihre Funktionen lassen sich durch eine Konsultation der Erzähldichtungen des 12., 13. und beginnenden 14. Jahrhunderts ermitteln, in denen die beiden Räume in vielfältiger Weise als Ort der Handlung genutzt werden. Wie auch in den Motiven der Wandmalereien zeigen sich im städtischen Wohnbau Tendenzen, bereits länger bestehende Motive herrschaftlicher Architektur zu übernehmen. Bei den profanen Wandmalereien werden die auf Hausherrn („wirt“) und Haus bezogenen Aspekte, die in herrschaftlichen Bauten neben den Burgen auch stadtnah zu finden sein können, im Stadthaus übernommen und gerade ab etwa 1300 von einem breiten Spektrum städtischer Eliten auf deren jeweilige Situation in der Stadtgesellschaft hin angepasst. Mit dem Projekt ist es gelungen, die in den letzten Jahrzehnten erfolgte Konzentration auf kleinsträumliche Besonderheiten des städtischen Profanbaus vor 1300/1350 zusammenzufassen sowie dessen allgemeingültigen Entwicklungslinien aufzuzeigen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Private Badestuben am Haus in der Stadt vor 1300 – neue Erkenntnisse durch Neuinterpretation, in: Archäologisches Korrespondenzblatt 4 (2021), S. 585-604
    Iris Nießen & Barbara Perlich
  • 900 Jahre alter Dielenboden, in: Die Denkmalpflege 2 (2022)
    Thomas Nitz
  • Zum wohlversorgten Haus und seinem Hausrat in den profanen Wandmalereien des 14.-16. Jahrhunderts, in: Im Bild gefangen! Manifestation von Gedankenwelten – ein interdisziplinärer Diskurs. Tagung Produktion, Verwendung und kulturelle Bedeutung rheinischer Keramik mit Bildsprache und Symbolik in der frühen Neuzeit, hg. von Michael Schmauder und Marion Roehmer (Bonner Beiträge zur Vorund Frühgeschichtlichen Archäologie, Bd. 25), Bonn 2022, S. 11-36
    Harald Wolter-von dem Knesebeck
  • Formale und mentale Konzepte der Stadt in der frühen profanen Malerei, in: Mentale Konzepte der Stadt in Bild- und Textmedien der Vormoderne, hg. von Margit Dahm und Timo Felber (Roots Studies, 03), Leiden 2023, S. 269-294
    Harald Wolter-von dem Knesebeck
  • Formale und mentale Konzepte der Stadt in der frühen profanen Malerei, in: Mentale Konzepte der Stadt in Bild- und Textmedien der Vormoderne, hg. von Margit Dahm und Timo Felber (Roots Studies, Bd. 3), Leiden 2023, S. 269-294
    Harald Wolter-von dem Knesebeck
  • wan diu borch was sô getân, / daz siz allez mite betwank. Städtische Inszenierung als Aspekt der Figurenzeichnung von Herrscherinnen im Eneasroman Heinrichs von Veldeke und im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Mentale Konzepte der Stadt in Bild- und Textmedien der Vormoderne, hg. von M. Dahm, T. Felber (Roots Studies, 03), Leiden 2023, S. 193-216
    Anna Katharina Nachtsheim
  • Zur Genese der Stube. Eine neue Zusammenfassung wort- und sachgeschichtlicher Befunde, in: Bericht über die Tagung des Arbeitskreises für Hausforschung in Goslar vom 3.-6. Oktober 2019
    Barbara Perlich
 
 

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