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Verarbeitung sozialer Lern- und Entscheidungsprozesse bei Patienten mit Sozialer Angststörung

Antragsteller Dr. Michael Becker
Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Kognitive, systemische und Verhaltensneurobiologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 411743888
 
Dysfunktionale Erwartungen sind ein Kernmerkmal psychischer Krankheiten. Die Soziale Angststörung (SAD) ist spezifisch mit verzerrten Erwartungen über soziale Leistungs- und Interaktionssituationen verbunden. Betroffene erwarten in diesen Situationen eine ungünstige Bewertung durch Andere oder befürchten einer sozialen Interaktion nicht gerecht werden zu können. Es wird angenommen, dass störungsspezifische Erwartungen bei SAD geprägt sind durch Diskrepanzen zwischen der eigenen (als ungenügend empfundenen) Leistungseinschätzung und einem (überhöhten) Leistungsstandard, der bei Interaktionspartnern angenommen wird. Hirnfunktionell ist die Verarbeitung erwartungsdiskrepanter Rückmeldungen eng an Aktivierung des ventralen Striatums (VS) gekoppelt und positive Leistungsrückmeldungen führen bei SAD in Bewertungssituationen zu einer verminderten Aktivierung des VS. Das vorliegende Projekt setzt sich zum Ziel, diese Veränderungen im BOLD-Signal des VS und des assoziierten Belohnungs-Netzwerks bei SAD mittels störungsrelevanter reinforcement learning Modelle formal zu beschreiben und zu testen. Darüber hinaus soll die störungsspezifische Rolle von Netzwerken untersucht werden, die mit der Perspektivübernahme der Absichten Anderer („Mentalisierung“) in Verbindung stehen. Außerdem sollen Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Netzwerken erfasst werden. Das generelle Ziel ist ein tieferes Verständnis der SAD-spezifischen Rolle positiver und negativer Diskrepanzen bei der Verarbeitung von Leistungsrückmeldungen in sozialen Bewertungssituationen. Die in diesem Projekt zum Einsatz kommenden reinforcement learning Modelle erlauben erstmals eine Untersuchung des sozialen Belohnungs- und Vermeidungslernens bei SAD. Somit könnten die Ergebnisse dieser Studie zur Klärung der Rolle störungsspezifischer Erwartungen beitragen, ein tieferes Verständnis der aufrechterhaltenden Faktoren der SAD liefern und somit zur Erhebung der Effektivität von Therapien beitragen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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