Verarbeitung sozialer Lern- und Entscheidungsprozesse bei Patienten mit Sozialer Angststörung
Kognitive, systemische und Verhaltensneurobiologie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt "Verarbeitung sozialer Lern- und Entscheidungsprozesse bei Patient*innen mit Sozialer Angststörung“ (SAD) hatte das Ziel, Veränderungen im BOLD-Signal des ventralen Striatums (VS) und des assoziierten Belohnungs-Netzwerks bei SAD zu untersuchen und störungsrelevante reinforcement learning Modelle formal zu beschreiben und zu testen. Darüber hinaus sollte die Rolle von Netzwerken untersucht werden, die mit der Perspektivübernahme der Absichten Anderer (Mentalisierungsnetzwerk) in Verbindung stehen, sowie die Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Netzwerken erfasst werden. Die Modelle wurden auf Basis ihrer Vorhersagekraft für diese kognitiven Prozesse ausgewählt, indem die Modelle vorab über den gesamten Parameterraum simuliert und dann hinsichtlich ihrer prädiktiven Performanz verglichen wurden. Die zentralen Ergebnisse des Projekts zeigen, dass Menschen mit SAD Feedback, das ihre eigene Person betrifft, stärker gewichten und ihr Bedürfnis nach sozialen Vergleichen im Mittel höher einschätzen als die Kontrollproband*innen (HC). Auch fanden wir bei SAD höhere Lernraten und geringeren decision noise sowohl für Selbst- als auch für das Fremd-Feedback. Darüber hinaus bewerteten sie Feedback von anderen Personen als unangenehmer und erregender als HC. In den hirnfunktionellen Daten zeigten sich Unterschiede zwischen SAD und HC im Mentalisierungsnetzwerk. Insbesondere zwei unterscheidbare Subregionen in Areal 39 des Lobulus parietalis inferior (IPL) zeigten bei SAD eine veränderte hirnfunktionelle Kopplung an Belohnungsvorhersagefehler für Andere (RPEOther) und Belohnungsvorhersagefehler für die eigene Person (RPESelf). In Bezug auf das Entscheidungsverhalten zeigten Areal 9 des Präfrontalcortex und Areal 32p des anterioren cingulären Cortex (ACC) über beide Gruppen hinweg eine stärkere Aktivierung auf Kooperationsentscheidungen, während Areal 39 des IPL sowie Areal 9 außerdem in SAD eine Tendenz zu veränderten hirnfunktionellen Aktivierungsmuster während sozialer Entscheidungen aufwiesen. Insgesamt tragen diese Ergebnisse zu einem tieferen Verständnis hirnfunktioneller Veränderungen bei, die der sozialen Angststörung zugrunde liegen können, und werfen Licht auf die Unterschiede in Entscheidungsprozessen und Gehirnnetzwerken zwischen Personen mit SAD und gesunden Kontrollpersonen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Responsibility for others’ outcomes differentially affects reinforcement learning in Social Anxiety Disorder. Poster presented at the 46th annual meeting Psychology and Brain (PuG), Tübingen, Germany
Becker, M. P. I., Dehler, A., Stöckmann, C. L., Todorova, J., Diele, J., Pfaff, L. & Straube, T.
