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Präpositionen und ihre Grammatik im Maltesischen

Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 412858441
 
Erstellungsjahr 2022

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die wichtigsten wissenschaftlichen Fortschritte, die im Rahmen des Projekts erzielt wurden, ergeben zusammen erstmalig in der Fachgeschichte ein annähernd vollständiges und disziplinär adäquates Gesamtbild der Grammatik der maltesischen Präpositionen, deren Systematik zuvor nur ansatzweise als beschrieben gelten durfte. Die genaue Anzahl der Mitglieder der Wortart Präposition wird auf sechzig Einheiten berechnet, womit ein deutlich umfänglicheres Inventar erfasst wird, als in der älteren Literatur angenommen wurde. Dieses Inventar enthält mit fünfzehn italo-romanischen Präpositionen zu einem Viertel Entlehnungen. Dieser Anteil geht ebenfalls über das hinaus, was bisher in der Forschung vermutet wurde. Zu dem neuen Bestand gelangt das Projekt über die bisher in älteren Studien fehlende explizite Definition des Begriffs Präposition und ihrer strikten Anwendung auf die maltesischen Daten. Das Projekt kann anders als seine Vorgänger die methodologischen Vorteile des erst seit 2013 verfügbaren Korpus Malti 3.0 nutzen, um zum ersten Mal in der Geschichte der Erforschung maltesischer Präpositionen im großen Stil auch quantitative Gesichtspunkte zur Unterstützung der qualitativen Analysen zu berücksichtigen. So entsteht die erste frequenzbasierte Rangliste der maltesischen Präpositionen, auf der sich große Diskrepanzen zwischen, auf der einen Seite, den höchstfrequenten Präpositionen, die einsilbig, semitisch und flektierbar sind, und, auf der anderen Seite, den niederfrequenten Präpositionen, die oft mehrsilbig, italo-romanisch und invariant sind, auftun. Das divergente Verhalten der semitischen und der italo-romanischen Komponenten des präpositionalen Inventars lässt sich auf jeder Sprachebene – Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik – beobachten, sodass sich in zugespitzter Form von der Koexistenz von zwei verschiedenen Systemen sprechen ließe. Die Entlehnungen haben die Grammatik der maltesischen Präpositionen deutlich diversifiziert. Sie sind für die relativ starke Position von mehrsilbigen, mehr als fünf Segmente zählenden Präpositionen im Inventar verantwortlich. Gleiches gilt für die morphologische Invarianz, die für Präpositionen semitischen Ursprungs eher untypisch ist. Italo-romanische Präpositionen üben auch Einfluss auf die Gestaltung der Rektionsmuster der Präpositionen aus. Das im Projektzusammenhang als Genitivrektion bezeichnete Muster, in dem die Präposition ta‘ ‚von‘ das Komplement an die eigentlich regierende Präposition anschließt, tritt besonders bei entlehnten Präpositionen auf (z.B. permezz ‚mittels‘ < italienisch per mezzo di), wobei ta‘ ‚von‘ als Reflex von italienisch di ‚von‘ gewertet werden kann. Italo-romanische Einflüsse finden sich auch in der Semantik von Präpositionen. Dies macht sich besonders in rezenten Übersetzungen von EU-Dokumenten bemerkbar. In diesem Genre und solchen die im weitesten Sinne mit juristischen Inhalten verknüpft sind, treten auch italo-romanische Präpositionen auf, die außerhalb dieser Kontexte im Maltesischen nicht oder nur marginal belegt sind. Semitische Präpositionen sind in der Regel nicht genreabhängig. Neben den für die Sprachkontaktforschung interessanten Beobachtungen zur „Romanisierung“ von Teilen des Systems der Präpositionen zeigt das Projekt eindeutig, dass es sich bei dieser Wortart um ein regelgesteuertes Netzwerk von Einheiten handelt, deren Formen und Funktionen als Grammatik innerhalb der Gesamtstruktur des Maltesischen beschrieben werden können.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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