Wen ernennen Parteien zu ihren Spitzenkandidat_innen und warum?
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die übergreifende Frage des Projekts war, wen die Parteien bei Parlamentswahlen zu ihren Spitzenkandidat*innen machen. Eine wichtige Erkenntnis hinter dieser Frage ist, dass die Führungsebene von Parteien mehrere Positionen umfasst, nicht nur die Parteivorsitzenden. Die meisten vergleichenden Untersuchungen zu Führungspositionen in Parteien befassen sich mit den Vorsitzenden an der Spitze, insbesondere mit deren Auswahl und den entsprechenden Konsequenzen. Es gibt jedoch keine eigenständigen vergleichenden Studien über Spitzenkandidat*innen. Obwohl Parteivorsitzende häufig auch als Spitzenkandidat*innen fungieren, ist dies nicht immer der Fall. Dieser Mangel an Erkenntnissen über die Auswahl von Spitzenkandidat*innen ist angesichts ihrer entscheidenden Rolle im Wahlkampf und beim Wahlverhalten bemerkenswert. Um herauszufinden, wen die Parteien zu ihren Spitzenkandidat*innen machen, wurden im Rahmen des Projekts zwei verschiedene Perspektiven eingenommen. Die erste untersuchte die Führungsebenen der Parteien und dabei insbesondere die Frage, wie die verschiedenen Führungspositionen vor Wahlen verteilt werden. Parteien können die Spitzenkandidatur an jemanden vergeben, die*der bereits andere Spitzenpositionen innehat, oder an jemanden außerhalb der bestehenden Parteiführung. Dieser Aspekt stellt die erste Forschungslücke dar, die im Rahmen des Projekts untersucht wurde, wobei der Schwerpunkt auf systematischen Unterschieden in der Rollenverteilung rundum Spitzenkandidat*innen in verschiedenen Ländern und Parteien lag. Die zweite Perspektive konzentrierte sich auf die politischen Karrieren von Spitzenkandidat*innen, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Politiker*innen in ihren Parteien mehrere Positionen gleichzeitig bekleiden können. Ausgehend von diesem mehrdimensionalen Charakter politischer Karrieren untersuchte das Projekt, welche Karrieretypen es bei Spitzenkandidat*innen gibt und welche Unterschiede hierbei zwischen den Parteien und Ländern bestehen. Empirisch untersuchte das Projekt diese Karrieretypen und die Zusammenlegung der Spitzenkandidatur mit anderen Führungspositionen auf der deutschen subnationalen Ebene und auf internationaler Ebene in 18 parlamentarischen Demokratien. Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die Erstellung von vier Datensätzen, die jeweils einem der beiden Untersuchungsgegenstände auf diesen beiden Ebenen gewidmet waren. Die Analysen für die deutsche subnationale Ebene zeigten die Existenz verschiedener politischer Karrieretypen auf und legten offen, wie sich diese Typen in ihrem Auftreten zwischen den verschiedenen Parteien unterscheiden. Unterschiede zwischen den Parteien zeigten sich auch darin, wie häufig sie die Spitzenkandidat*innenrolle an Personen vergeben, die bereits Führungspositionen ausfüllen. Diese Unterschiede wurden mit verschiedenen Merkmalen der Parteien in Verbindung gebracht. Die vollständige Analyse für die 18 parlamentarischen Demokratien auf internationaler Ebene konnte bis zum Ende des Projekts nicht beendet werden und wird in der Folge abgeschlossen.
