Akademische Redefreiheit im universitären Bildungsraum. Praktiken und Formen ihrer öffentlichen Legitimation und Limitation
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Ausgehend von Streitfällen, die sich seit ca. 2015 vermehrt zugetragen haben, hat sich ein umfänglicher Diskurs um die Lage von Wissenschaftsfreiheit bzw. akademischer Redefreiheit an Hochschulen in Deutschland herausgebildet. Unterschiedliche Konfliktthemen haben die Diskussion hierzulande befördert, darunter die Einladung und die anschließende Kritik von politisch umstrittenen Vorträgen, die Frage nach einem angemessenen Umgang mit Rechtspopulismus, aber auch die Ausgestaltung diversitätssensibler Strukturen in der Hochschule. Die Untersuchung des Diskurses um akademische Redefreiheit, der Effekte für die Hochschulorganisation und für hochschulische Akteure zeitigt, ist Gegenstand dieses Forschungsprojekts. Es untersucht zum einen anhand von Interviews mit Hochschulleitungen, Studierendenvertretungen und einer dritten Gruppe von Personen, die sich intensiv mit dem Thema der akademischen Redefreiheit befasst haben, und zum anderen anhand von thematisch einschlägigen Dokumenten – Stellungnahmen, Pressemitteilungen, Offene Briefe, publizistische Beiträge –, wie die Lage der akademische Redefreiheit gesehen wird, wie spezifische Ausrichtungen autorisiert oder kritisiert werden und wer für die Ausgestaltung oder auch für die Einschränkung akademischer Redefreiheit verantwortlich gemacht wird. Im Projekt ist ein diskursanalytisches Vorgehen zum Einsatz gekommen, das Formen der Adressierung und Autorisierung fokussiert. Unter Nutzung ethnographischer Forschungsstrategien sind die ausgreifenden Adressierungen des Diskurses um akademische Redefreiheit rekonstruiert worden, von denen ausgehend der Topos akademischer Redefreiheit Eingang in die universitäre Organisation gefunden hat. Detaillierte Einzelstudien sind erfolgt zum Topos der Universität als ‚Safe Space‘, zu den Öffentlichkeiten bzw. dem Öffentlich-Werden von Universität im Diskurs, zur Rolle von Studierenden im Diskurs (aus studentischer Sicht), zu Protestformen und -praxis, zur Verhältnisbestimmung von wissenschaftlichem und politischem Sprechen, sowie zur Rolle von Streit für universitäre Bildung.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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„Im Fortgang eines friedlichen und gelassenen Protests…“ Ethnographische und theoretische Erkundungen an den Grenzen universitärer Öffentlichkeit. In: Rieger-Ladich, Markus/Brinkmann, Malte/Thompson, Christiane (Hrsg.): Öffentlichkeiten. Weinheim: Beltz/Juventa, 310-326
Christiane Thompson, Anke Engemann & Judith Mahnert
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Anrufung und Anerkennung von eingeschränkter Rede. Über Rahmungen und Voraussetzungen akademischer Subjektivierung. Sozialtheoretische Erziehungswissenschaft, 293-311. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Thompson, Christiane & Engemann, Anke
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On tolerance and intolerance in the university 1. Tolerance and Intolerance in Religion and Beyond, 162-179. Routledge.
Engemann, Anke & Thompson, Christiane
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Zur Organisation der Unstimmigkeit. Organisation und Pädagogik, 3-20. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Thompson, Christiane
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Erosion der Streitkultur? Argumentieren im universitären Bildungsraum. Pädagogische Korrespondenz, 37, 60-79.
Thompson, Christiane
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Traditions(um)brüche. Institutionelle Grenzziehungen in universitären Krisendiskursen In: Casale, Rita et al (Hrsg.): (De)Institutionalisierung von Bildung und Erziehung. Ffm/M.: Campus, 365-386
Engemann, Anke & Thompson, Christiane
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„Selbst der dümmste, durch die Bildungsinflation an die Universität geschwemmte Student könnte das”.. Populismus und Protest, 55-78. Verlag Barbara Budrich.
Engemann, Anke & Thompson, Christiane
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Die Emotionen der Anderen und das ›Wir‹ der Universität. Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik, 101(2), 263-279.
Engemann, Anke
