Making Green Germany: Die Entstehung der Klimapolitik während der Wiedervereinigung Deutschlands und der Transformation Europas nach dem Kalten Krieg
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie die Bemühungen den anthropogenen Klimawandel abzuschwächen zur Zeit der Wiedervereinigung in Deutschland zunehmend politisches Gewicht erlangten. Dabei geht es einerseits darum zu verstehen, welchen Einfluss politische Entwicklungen wie das Ende des Kalten Krieges und die deutsche Wiedervereinigung auf das Thema Klimawandel hatten; andererseits wird danach gefragt, welche Rolle Klimapolitik im wiedervereinigten Deutschland spielte. Im Gegensatz zu den bisherigen Studien, die das Phänomen Klimawandel weitgehend losgelöst von den großen politischen Entwicklungen analysieren, geht die Studie davon aus, dass Klimapolitik auf vielfältige Weise mit den politischen Entwicklungen in Deutschland und Europa verflochten war. Klimawandel wurde bislang primär als Serie technischer Probleme und Herausforderungen interpretiert, die zusammengenommen ein hochkomplexes Problem („wicked problem“) darstellen, das theoretisch und im Ansatz durch hochspezifische technische Zugänge „gelöst“ werden kann. Das Forschungsprojekt stellt dieser Interpretation eine neue Sicht an die Seite, indem es den politischen Kontext in den Vordergrund stellt. Dadurch wird sichtbar, dass die Klimapolitik der Bundesrepublik nach dem Ende des Kalten Krieges weder als eigenständiges technisches Problem gesehen wurde noch als ein Projekt radikaler neuer Lösungen. Vielmehr entwickelte sich die Klimapolitik sukzessiv in konkreten politischen Zusammenhängen und politischen Debatten im wiedervereinigten Deutschland. Das Projekt widmet sich konkret drei Transformationen in der Ära nach dem Kalten Krieg: 1) der Expansion der Demokratie und der neoliberalen Wirtschaftsordnung nach dem Ende des Kommunismus, 2) der Entstehung und Schaffung neuer Identitäten nach dem Ende der deutschen (und europäischen) Teilung und 3) der Neuausrichtung des Technologieverständnisses zur Zeit der Transformation des „Cold War Big Science“. Auf der Basis von archivalischen Quellen, nimmt das Projekt vier spezifische Bereiche („case studies“) in den Blick: 1) die zunehmende Akzeptanz von marktbasieren Lösungen für Umweltprobleme in Zusammenhang mit der Idee einer „grünen Ökonomie“; 2) die verstärkte Bürgerbeteiligung an der Energieproduktion durch Einspeisevergütungen und die Assoziierung dieser dezentralen, „grünen“ Energieproduktion mit Klimaschutz 3) die Bedeutung der internationalen Klimadiplomatie als Basis für eine neue deutsche Identität und 4) die Wandel der Umweltpolitik von Raum für visionäre Gegenentwürfe zum praktischen wissenschaftlich-fundierten Projekt. Die Untersuchung der Klimapolitik der Bundesrepublik fokussiert demnach auf die Bedeutung des Klimawandels im großen politischen Rahmen zur Zeit der Wiedervereinigung und das Ende des Kalten Krieges, und sie macht darüber hinaus - als umweltgeschichtliche Studie - Zusammenhänge zwischen der Sorge um die Umwelt und sozialen und politischen Entwicklungen sichtbar. Interviews mit Stephen Milder: Hermann, Christian. “Texas ist das grüne Powerhouse der USA.“ Wieder was gelernt – der ntv Podcast. (13 May 2023). Open Access. Nerbollier, Delphine. “Nucléaire en Allemagne: les trois dernières centrales du pays débranchées ce week-end.” La Croix (14 April 2023).
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Review Essay. German Politics and Society, 38(4), 91-96.
Milder, Stephen
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“AICGS Asks: What is Angela Merkel’s Climate Policy Legacy?” American Institute for Contemporary German Studies (5 August).
Milder, Stephen
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A Struggle to Remake the Market: Feed-in Rates and Alternative Energy in 1980s West Germany. Contemporary European History, 31(4), 593-609.
Milder, Stephen
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From ‘Grey Democracy’ to the ‘Green New Deal’: Post-war Democracy and the Hegemonic Imaginary of Material Politics in Western Europe. Journal of Modern European History, 20(3), 288-293.
Couperus, Stefan & Milder, Stephen
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Re-Interpreting West Germany’s Ecological Revolution: Environmental Politics, Grassroots Activism, and Democracy in the Long 1970s. European History Quarterly, 52(3), 332-351.
Milder, Stephen
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Rethinking Social Movements after '68: Selves and Solidarities in West Germany and Beyond. Berghahn Books.
Davis, Belinda; Brühöfener, Friederike & Milder, Stephen
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“Making ‘Freedom Energies’? How 1980s struggles over market access shaped the rise of renewables in Germany.” Cambridge Core blog (29 July).
Milder, Stephen
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“‘Alle reden vom Wetter.’ Zur Geschichte eines Slogans und zur wandelnden Bedeutung von Umweltthemen in den sozialen Bewegungen und in der Politik.” Mitteilungen des Archivs der Arbeiterjugendbewegung (July): 16-22.
Milder, Stephen
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“Nur nicht über Klimaschutz reden.“ Zeit Online (21 April).
Milder, Stephen
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From Tinkerers to Consultants: Individual Engagement, Reunification and the Making of Germany’s Renewable Energy Sector. Global Environment, 17(1), 15-46.
Milder, Stephen
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Petra Kelly: Life and Legacy of a Transnational Green Activist. Environment and Society Portal. Virtual Exhibitions 2024, No. 1 (February).
Milder, Stephen & Andreas Jünger
