Detailseite
Projekt Druckansicht

Prekarisierung im Journalismus

Fachliche Zuordnung Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 423389347
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Forschungsprojekt untersuchte prekäre Arbeit im Journalismus. Es lieferte Strukturdaten zu den Arbeitsbedingungen von Journalist:innen in Deutschland und gab Einblicke in die wahrgenommene berufliche Situation der Journalist:innen sowie und ihre subjektiv erfahrene Wirkung auf ihre Person und die journalistische Arbeit. Dabei konnten vulnerable Gruppen des Berufsstands sichtbar gemacht werden und aufgezeigt werden, mit welchen Herausforderungen sie in ihrem Berufsalltag konfrontiert sind. Die Ergebnisse der quantitativen Onlinebefragung sowie der qualitativen Leitfadeninterviews zeigen auf, dass der Beruf als Journalist:in ein prekärer Beruf sein kann, der Journalist:innen zum Teil in Armut leben lässt. Die Corona-Pandemie wirkte sich insbesondere bei freiberuflichen Journalist:innen dieser Studie als Prekaritäts-Beschleuniger aus. Dies verdeutlicht, dass zwischen dem Prekariat freiberuflicher und festangestellter Journalist:innen unterschieden werden muss. Während Erstere Prekarität häufig auf der materiellen Ebene fest machen, äußert sich Prekarität für Festangestellte in erster Linie in Unsicherheiten, die sich durch Befristungen und Arbeitsüberlastung ergeben. Doch nicht immer nehmen die Betroffenen ihre Situation als prekär wahr, wenn Sicherheitsfaktoren wie die Unterstützung Dritter Prekarität kompensieren. Die Ergebnisse alarmieren, da sich prekäre Verhältnisse aus Sicht der befragten Journalist:innen auf die Qualität der journalistischen Produkte auswirken. Aber auch unabhängig von der Gefahr, dass der Journalismus seine demokratiefördernden Funktionen nicht mehr umfänglich erfüllen kann, sollten Zustände und Lebenssituationen, wie der Typus der „Realistischen“ sie beschreiben, von Medienhäusern und der Politik adressiert werden. Denn zum Teil nehmen Journalist:innen eher Einschränkungen in ihrem Privatleben und gesundheitliche Risiken in Kauf, als in ihrer Arbeit die Qualität zu reduzieren. Insgesamt konnte die Studie den Wissensstand zur Prekarisierung im Journalismus erweitern und deckte zugleich Befundbereiche auf, die in Folgeuntersuchungen adressiert werden sollten. Dazu zählt der Einfluss prekärer Arbeit auf die Qualität des Journalismus und auf die Diversität in Redaktionen. Die unerwartet hohe Teilnahmebereitschaft der Journalist:innen kann als gute Nachricht für zukünftige Forschungsprojekte betrachtet werden und der Verbreitungsweg über die Berufsverbände sollte als erfolgreiche Vorgehensweise in Folgestudien genutzt werden. Gleichzeitig konnte die hohe Medienresonanz mit Berichterstattung über die Studienergebnisse zeigen, dass die Befunde auch über das Fach hinaus für die breite Öffentlichkeit von Interesse sind. Unsere Studie trägt zu einem offenen Dialog über Prekarität bei, um diese im Journalismus-Beruf sichtbar zu machen und dadurch mehr Aufmerksamkeit für diese Thematik zu schaffen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Prekarität ist ein erster Schritt in diese Richtung. Denn wie Journalist:innen dieser Studie argumentierten, haben sie selbst meist nicht die Möglichkeit, auf die Missstände in ihrem Beruf aufmerksam zu machen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung