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Soziale Unterstützung als Stresspuffer oder Stressverstärker - Die moderierende Rolle sozialer Motive

Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 425213083
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Ziel des Projekts war es, interindividuelle Unterschiede in der Wirksamkeit sozialer Unterstützung in psychosozialen Stresssituationen besser zu verstehen. Während zahlreiche Studien eine stressreduzierende Wirkung sozialer Unterstützung zeigen, weisen andere Befunde auf eine mögliche Stressverstärkung hin. Wir untersuchten, ob und wie implizite soziale Motive – insbesondere das Anschluss- und Machtmotiv – diese unterschiedlichen Effekte erklären können. Auf Basis motivations- und stresspsychologischer Theorien nahmen wir an, dass Personen mit stark ausgeprägtem Anschlussmotiv soziale Unterstützung als Hinweis auf positive soziale Beziehungen interpretieren und entsprechend mit reduzierter psychobiologischer Stressantwort reagieren (Stresspuffer-Effekt). Personen mit starkem Machtmotiv könnten soziale Unterstützung dagegen als Zeichen untergeordneter Position deuten, was zu erhöhtem Stress führen kann (Stressverstärkungs-Effekt). Zudem prüften wir geschlechtsspezifische Unterschiede sowie hormonelle Marker (Cortisol, Progesteron, Estradiol, Testosteron) als physiologische Indikatoren von Stressreaktionen und motivspezifischer Aktivierung. Zur Induktion psychosozialen Stresses nutzten wir den Trier Social Stress Test (TSST). Die Ergebnisse bestätigten unsere Annahmen teilweise: In einer ersten Veröffentlichung der Daten berichten wir, dass biologisches Geschlecht, soziale Motive und experimentell manipulierte soziale Unterstützung interagieren. Beispielsweise zeigten Männer mit starkem Machtmotiv besonders ausgeprägte Cortisolreaktionen. Sozial unterstützte Teilnehmende wiesen in der Erholungsphase geringere Estradiolspiegel auf. Zudem zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede im Verlauf vegetativer, hormoneller und subjektiver Stressindikatoren (u. a. RMSSD, Progesteron, Wohlbefinden). In einem weiteren Paper erweiterten wir den Fokus und prüften, ob soziale Unterstützung die Frustration grundlegender psychologischer Bedürfnisse während der Stressphase im TSST abschwächen kann. Gestützt auf Annahmen der Selbstbestimmungstheorie fanden wir, dass die stressauslösenden Merkmale des TSST – soziale Bewertung und Unkontrollierbarkeit – auch zur Frustration grundlegender psychologischer Bedürfnisse (Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit) führen. Soziale Unterstützung konnte ausschließlich den Rückgang sozialer Eingebundenheit in der Stressphase abfedern. Explorative Analysen zeigten, dass körperliche Aktivität teilweise protektive Effekte aufwies: körperlich aktive Personen berichteten geringeren Stress, weniger Frustration des Kompetenzbedürfnisses und zeigten eine abgeschwächte Cortisolreaktion. Die Ergebnisse liefern einen theoretischen und empirischen Beitrag zu einer differenzierten Betrachtung sozialer Unterstützung in psychosozialen Stresssituationen. Sie zeigen, dass Persönlichkeit, soziale Motive und Geschlecht Moderatoren der Stressreaktion sind und bieten Ansatzpunkte für individualisierte Stressinterventionen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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