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Der Einfluss motivationaler Variablen auf das Mind Wandering während des Lesens

Antragsteller Professor Dr. Ulrich Schiefele, seit 8/2020
Fachliche Zuordnung Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 427839443
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt befasste sich mit den Zusammenhängen zwischen Lesemotivation, Interesse, Mind Wandering (Gedankenabschweifen) und Leseverstehen. Es ging insbesondere um folgende Ziele: Erstens sollte festgestellt werden, ob die Motivation des Lesenden bzw. des Lernenden das Auftreten von Mind Wandering während des Lesens vorhersagen kann. Zweitens sollte untersucht werden, ob die in früheren Studien festgestellten Effekte der Lesemotivation auf das Leseverstehen zumindest teilweise durch die Mind-Wandering-Häufigkeit vermittelt werden. Drittens sollte überprüft werden, ob das Mind Wandering sich im zeitlichen Verlauf der Lesetätigkeit verändert und diese Veränderungen durch die Lesemotivation moderiert werden. Viertens war geplant, das Interesse zu mehreren Zeitpunkten zu erfassen, um zu prüfen, ob im Verlauf des Lesens nicht nur das Interesse einen Einfluss auf das Mind Wandering hat, sondern umgekehrt auch das Mind Wandering auf das Interesse wirkt. Schließlich wurde im Verlauf des Projekts noch – fünftens – der Fragestellung nachgegangen, ob es unterschiedliche Mind-Wandering-Formen auf Personenebene gibt und diese sich auf die Gedanken während des Lesens und auf das Leseverstehen auswirken. Die Ergebnisse der Untersuchung der genannten Fragestellungen wurden bislang in drei Artikeln dokumentiert. Soemer et al. (2023) konnten belegen, dass motiviertere Leser weniger Mind Wandering, stärkeres elaboratives Denken, mehr Überwachung des Verstehensprozesses und ausgeprägteres thematisches Interesse zeigen (Ziel 1). Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass der positive Effekt der Lesemotivation auf das Verstehen partiell durch Mind Wandering, Elaboration, Verstehensüberwachung und Interesse vermittelt wird (Ziel 2). Somit gehen die Befunde über die bisherige Forschung hinaus, indem sie nahelegen, dass die bekannten positiven Effekte der Lesemotivation auf das Verstehen sowohl von vermehrten textbezogenen Denkprozessen als auch von vermindertem Mind Wandering abhängen. Soemer et al. (2024) untersuchten das vierte Projektziel. Ihre Ergebnisse belegen einen Zusammenhang des situationalen Interesses zu einem Zeitpunkt mit dem Auftreten von Mind Wandering zu den darauffolgenden Zeitpunkten. Auch umgekehrt war Mind Wandering zu einem Zeitpunkt mit dem Auftreten vermehrten situationalen Interesses zu den darauffolgenden Zeitpunkten verbunden. Somit sprechen die Befunde für eine reziproke Beziehung zwischen situationalem Interesse und Mind Wandering. Zusätzlich wurde beobachtet, dass Unterschiede im (dispositionalen) thematischen Interesse mit der Gesamthäufigkeit bzw. –stärke von Mind Wandering und situationalem Interesse kovariieren. Im Gegensatz dazu scheinen persönlichkeitsbedingte Unterschiede im Mind Wandering lediglich mit der Häufigkeit des situationalen Auftretens von Mind Wandering während des Lesens zusammenhängen. Soemer et al. (2023) widmeten sich dem fünften Ziel des Projekts und konnten die Existenz von positiv-konstruktiven und aufmerksamkeitsschwachen Typen des habituellen Mind Wanderings feststellen. Darüber hinaus zeigten die Befunde, dass die positivkonstruktiven Typen positiv mit textbezogenen Gedanken korrelierten, während der aufmerksamkeitsschwache Typ mit textunabhängigen Gedanken einherging. Diese Ergebnisse belegen erstmals die Existenz unterschiedlicher Typen habituellen Mind Wanderings und deren differentielle Wirkung auf das Lernen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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