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Lautproduktion und auditorisches Lernen in der Gattung Chlorocebus

Fachliche Zuordnung Biologie des Verhaltens und der Sinne
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 428036558
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die vokale Kommunikation von nichtmenschlichen Primaten ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen in verschiedenen Forschungsdisziplinen. Ein zentrales Ziel dieser Bemühungen ist es die Ursprünge der semantischen Kommunikation aufzudecken. Ein zweiter einflussreicher Forschungszweig zielt darauf ab, die biologische Funktion von Tierlauten zu verstehen. Grüne Meerkatzen (Chlorocebus pygerythrus) sind ein wichtiges Modellsystem für beide Forschungszweige, und ihr Alarmrufsystem ist zum paradigmatischen Beispiel für semantische Kommunikation bei Tieren geworden. Während zahlreiche Forschungsarbeiten untersucht haben, welche "Bedeutung" diese Rufe für die Tiere haben, wissen wir wenig über die weiteren Funktionen dieser Laute. Unser Projekt füllte diese Lücke mit einer zweijährigen Feldstudie an Grünen Meerkatzen. In unserer ersten Studie widmeten wir uns den „loud calls“ erwachsener Männchen, von denen angenommen wurde, dass sie vor allem gegenüber Landraubtieren wie Leoparden abgegeben werden. Wir untersuchten, ob sich Männchen in der Häufigkeit ihres Rufens unterschieden, ob „loud calls“während der Paarungszeit häufiger waren und ob „loud calls“ auch außerhalb des Raubtierkontextes vorkamen. Wir fanden heraus, dass „loud calls“ am häufigsten von ranghohen Männchen abgegeben wurden, häufiger während der Paarungszeit auftraten und dass sie oft in aggressiven Kontexten vorkamen, was darauf hindeutet, dass „loud calls“ nicht ausschließlich auf Raubtiere hinweisen, sondern auch individuelle Konkurrenzfähigkeit und motivationale Zustände signalisieren. Unsere Studie konnte so eine bisher übersehene Funktion dieses Ruftyps aufdecken und bereichert damit auch unser Verständnis der möglichen Bedeutung, die diese Rufe für andere Affen haben könnten. Schließlich leistet sie auch einen Beitrag für die laufende Forschung zur Semantik von Primatenrufen. Unsere zweite Studie galt den Reaktionen der Affen auf Schlangen. Wir untersuchten, ob sich Alter und Geschlecht auf individuelle Reaktionen auswirken und ob Affen zwischen verschiedenen Schlangenarten unterscheiden. Wir stellten fest, dass erwachsene Männchen sich Schlangen seltener näherten als erwachsene Weibchen und Jungtiere. Außerdem reagierten die Affen stärker auf Pythons als auf andere Schlangenarten. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Affen in erster Linie zwischen Raubfeinden und Nichtraubfeinden unterscheiden und scheinbar nicht berücksichtigen, ob Schlangen giftig sind oder nicht. In unserer dritten Studie setzten wir Drohnen ein, um zu untersuchen, wie Affen neue Bedrohungen kategorisieren. Dieses Projekt musste aufgrund der Covid-19-Pandemie vorzeitig abgebrochen werden, aber wir haben unsere Erfahrungen in Form eines Übersichtsartikels über den Einsatz von Drohnen in der Verhaltensforschung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In diesem Artikel haben wir außerdem die Verwendung von Drohnen für die Überwachung von Populationen und den Naturschutz diskutiert.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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