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Negotiating Resettlement. Aushandlungen, Verläufe und Langzeiteffekte der Folgewanderungen gewaltinduzierter Mobilität nach dem Zweiten Weltkrieg.

Antragsteller Dr. Sebastian Huhn
Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 428259414
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Fokus des Projekts stand das Resettlement-Projekt der International Refugee Organization (IRO) von 1946-1951. Das Projekt untersuchte die multiplen Aushandlungsprozesse des Resettlements europäischer Flüchtlinge und „Diplaced Persons“ (DPs) nach dem Zweiten Weltkrieg in Venezuela, die Hintergründe der globalen Strategien im Umgang mit Flucht und die Entstehung und Transformation des modernen globalen Flüchtlingsregimes. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen mehr als acht Millionen sogenannte DPs – überwiegend Opfer des NS-Regimes und Menschen, die aus der stalinistischen Sowjetunion geflohen waren – vor der Herausforderung, neue Lebensperspektiven zu finden. Nach einer ersten Phase massiver (Zwangs)Repatriierung dieser Menschen durch die United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) von 1943-1946 führte die Ablösung der UNRRA durch die 1946 gegründete IRO zu einem Paradigmenwechsel von einer gruppenbasierten Flüchtlingspolitik in Form auch unter Zwang durchgeführter Repatriierungen hin zu einem individualisierten Ansatz, in dessen Mittelpunkt ein globales Resettlement-Programm stand. Dieser Paradigmenwechsel, dessen detaillierte Analyse das erste Forschungsergebnis des Projekts ist, legte die Grundlage für das moderne Flüchtlingsregime, das den individuellen Flüchtlingsstatus anerkennt und auf individuellen Schutz vor Verfolgung ausgerichtet ist. Zweitens wurde die aktive Rolle Venezuelas im IRO-Projekt herausgearbeitet, eines Landes, das hier beispielhaft für den Globalen Süden steht, der mit Blick auf die Arbeit der IRO bisher eher als Destination für das Resettlement denn als aktiv beteiligter politischer Akteur betrachtet wird. Ein drittes Ergebnis beleuchtet die Aushandlungsdynamiken von Mobilität zwischen den DPs und den Mitarbeiter*innen der IRO, wobei individuelle Aushandlungsprozesse Schlüsselfunktion für die Anerkennung des Flüchtlingsstatus hatten. Hier wurden soziale und kulturelle Faktoren sowie die Selbstpräsentation der Antragsteller*innen entscheidend für den Erfolg ihrer Anträge. Viertens umfasste das Projekt eine kritische Analyse des Konzepts "displaced persons", das mit der UNRRA entstand. Fünftens wurde eine Sozialprofilanalyse der nach Venezuela migrierten Flüchtlinge bzw. DPs erstellt, um die Vielfalt der Migrantengruppen und deren Einfluss auf die venezolanische Gesellschaft zu beleuchten und sechstens wurde der öffentliche Diskurs über Einwanderung europäischer Flüchtlinge in Venezuela untersucht. Insgesamt lieferte das Projekt so Erkenntnisse über die Entstehung der modernen globalen Flüchtlingspolitik, über die Rolle Venezuelas als einem Akteur aus dem Globalen Süden in diesem Prozess, über die individuelle Agency von Flüchtlingen sowie die Aushandlungsdynamiken zwischen Flüchtlingen und Institutionen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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