Visit of Collection as Epistemic Practice in the Scientific Community of Geosciences between 1765 and 1807.
Palaeontology
Final Report Abstract
Grundlegend für die Untersuchung war eine Primärdatenerhebung in 31 Reisejournalbänden, die zwischen 1765 und 1806 durch einen aktiv an der geowissenschaftlichen Forschung beteiligten Akteur verfasst wurden. Die systematische Datenerfassung konzentrierte sich auf die verschriftlichten Angaben zu geowissenschaftlich relevanten Sammlungsbesichtigungen. Insgesamt ist im Ergebnis des Projektes herauszustellen, dass Sammlungsbesichtigungen als eine spezifische zentrale epistemische Praktik der frühen Geowissenschaften anzusehen sind. Jedoch ist zugleich festzuhalten, dass sich im Hinblick auf die kollaborative Wissensproduktion im Kontext von Sammlungsbesichtigung eine erhebliche Varianz zeigt. Betrachtet man das erhobene Gesamtsample innerhalb der vorgeschlagenen Binnendifferenzierung, bildet sich nicht nur erwartungskonform die inhomogene Struktur der Sammlungslandschaft ab, sondern zudem eine deutliche Dominanz der privaten Sammlungsbetreiber ohne berufliche Anbindung an eine Universität, Bergakademie bzw. den Montanbereich. Auch zeigt der die Diversität von Sammlungen integrierende Zugriff deutlich, dass sich die epistemischen Praktiken und Effekte im Handlungsraum Sammlung durchaus als divergierend darstellen. Im Resultat der Studie lassen sich Sammlungsräume vermehrt dort als vernetzte Orte der Herstellung, Zirkulation und Verfestigung wissenschaftlichen Wissens und fachspezifischer Methoden ausmachen, wo Beobachtung und Dokumentation der Geländephänomene als zentrale Praxis zur Anlage von Sammlungen führte. Für die genuinen Forschungsfragen sind sowohl die Vorrangstellung der Geländeforschung mit der daraus resultierenden Regionalspezifik (science in situ) als auch die von den Akteuren der Spätaufklärung praktizierten Interaktionen (science in motion) als zentrale Einflussgrößen zu nennen. Mit Blick auf den Transfer sowie die Praktiken der Aneignung und Distribution von Wissen ist dem (hier exemplarisch untersuchten) reisenden privaten Protagonisten – nicht zuletzt auch nach dem konzeptionellen Ansatz einer Geographie des Wissens – eine wesentliche Vermittler- und Scharnierfunktion innerhalb der damaligen wissenschaftlichen Community zuzuschreiben In ihrer Verschränkung machen die Binnendifferenzierung der Ereignisse von Sammlungsbesichtigung und die in den Reisejournalen ausgemachten Formate fachspezifischer Verschriftlichungen sichtbar, dass gerade für die betrachtete Etablierungsphase geowissenschaftlicher Grundlagenforschung außeruniversitäre Impulse sowie außeruniversitäre Wissensproduktion und -organisation von grundsätzlicher Bedeutung waren.
