Bürgerschaftlicher Protest in der lokalen räumlichen Planung – Ausprägungen, Verläufe und Wechselwirkungen
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Forschungsvorhaben zielte auf ein theoretisches Verständnis von planungsbezogenem Protest ab. Dazu wurden quantitativ sämtliche planungsbezogenen Proteste zwischen 2007 und 2019 in acht der größten deutschen Städte über fast 40 Differenzierungsmerkmale untersucht, um unterschiedliche Protestverläufe und Muster in der Interaktion von Protest-, Planungs- und weiteren Akteuren aufzuzeigen. Ein klarer Trend zu mehr Protestaktivitäten ist trotz anderslautender Behauptungen in der Literatur dennoch nur eingeschränkt erkennbar. Protestakteure versuchen heute, durch beeindruckende Online-Auftritte, die Vernetzung in sozialen Medien, eine hohe Zahl von Unterstützenden bei Online-Petitionen und persönliche Unterstützungsbotschaften im Netz erfolgreich zu sein. Zweifellos hat das Internet auch im lokalen Rahmen neue Räume für eine protestförmige Beteiligung geschaffen und den Initiativen zu mehr Sichtbarkeit verholfen. Innerhalb des 16-jährigen Untersuchungszeitraums wurde eine Gesamtzahl von 9,1 Millionen Teilnehmerinnen ermittelt. Die Zahl der Beteiligten streut sehr stark. Eine Heterogenität und Vielschichtigkeit der Protestphänomene lässt sich nachweisen. In der Untersuchung konnte die in der Vorstudie erarbeitete Typologie bestätigt werden, die wesentliche Anlässe und Anliegen systematisiert und dabei auch Initiativen Protestierender für etwas einbezieht. Der größte Teil der Planungsproteste entfällt auf Fragen der technischen Infrastruktur, gefolgt von Flächennutzungsänderungen und dem Bau oder der Zerstörung von Gebäuden, Auseinandersetzungen um soziale Infrastruktur, um Grün- und Freiflächen, Mieten, Stadterneuerung, Migration und sonstigen. Zwischen Protesten bestehen intensive Verbindungen, Protestierende gehen unterschiedlichste Bündnisse ein. Sie werden von Einzelpersonen, Bürgerinitiativen und zu einem geringeren Teil von institutionalisierten NROs getragen und in unterschiedlichem Maß vor allem kleinräumig von Teilen der Politik unterstützt, aber jedenfalls stark in die lokale Politik eingebettet. Proteste sind häufig erfolgreich und wirken auf sechs mögliche Weisen. Proteste, die auf bestehende Planungen reagieren, können diese verhindern (1), eine Verzögerung (2), eine Änderung des Verfahrens (3) oder eine inhaltliche Änderung (4) bewirken. Proteste, die auf Situationen reagieren, zielen dagegen darauf ab, den Staat zum Handeln zu bewegen, d.h. überhaupt mit der Planung zu beginnen (5). Dies kann auch Auswirkungen auf Dritte haben (6). Protest ist inzwischen als ein integrales „Partizipationsmodul“ zu begreifen, entstehen parallel zu deliberativen Beteiligungsangeboten und dienen der Verstärkung von dort vorgetragenen Positionen dienen. Selten sind sie besonders radikal und müssen heutzutage als Teil des Planungsalltags begriffen werden.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Towards Normality: Planning-related Protests and Reactions by Planning. Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning, 78(2), 185-201.
Bertram, Grischa Frederik & Altrock, Uwe
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»Bäume oder Beton?« − Zur Bedeutung des Bildhaften im strategischen Framing lokalen Protests am Beispiel einer Kleingartenkolonie. Bilder, soziale Medien und das Politische, 125-148. transcript Verlag.
Bertram, Grischa
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Culture-led regeneration in Germany. Vortrag, Online Conference on Urban Regeneration Trends in Europe des Arbeitskreis Stadterneuerung an deutschsprachigen Hochschulen.
Bertram, G. F.
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Jenseits agonistischer Planungstheorien: Die „Normalität“ von Protesten und ihr Einfluss auf die Konfliktaustragung in der räumlichen Planung. Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning, 81(5), 493-508.
Bertram, Grischa Frederik & Altrock, Uwe
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Local Opportunity Structures for Planning-related Protest in major German Cities. Vortrag, International Conference Paradigm Shifts in Local and Urban Governance, IGU Commission Geography of Governance, Budapest (Ungarn).
Bertram, G. F. & Kienast, G.
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Planning-Related Protest as a Key to Understanding Urban Particularities. Urban Planning, 8(4).
Bertram, Grischa Frederik & Kienast, Gerhard
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Planning-related protest in major German cities via online petitions, social media and the internet as a rational and strategic form of e participation. Vortrag, 7th urban e-planning conference, Lissabon.
Bertram, G. F. & Kienast, G.
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Straßen als Anlass und Ort für bürgerschaftlichen Protest in der lokalen räumlichen Planung. Vortrag, Fachtagung des Instituts für Zeitungsforschung. Kommunikationsraum Straße. Vom Kirchplatz zur Montagsdemonstration: neue Perspektiven. Dortmund.
Kienast, G. & G. Bertram
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Culture-led – and Sub-Culture-led Urban Regeneration in Germany. Jahrbuch Stadterneuerung, 375-403. Springer Nature Switzerland.
Bertram, Grischa
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Das Erwachen der Schlafstädte. In: Uwe Altrock, Henriette Bertram, & Arvid Krüger (Hg.). „Neue Suburbanität? Stadterweiterung in Zeiten der Reurbanisierung“. Bielefeld: Transcript, S. 156-177
Bertram, G.F.
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Warum werden wir hier beteiligt? (Un-)Möglichkeitsstrukturen der Planungspartizipation in der multiplen Demokratie. In: pnd, 1/2024, 8-24.
Bertram, G.F.
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Local Opportunity Structures for Planningrelated Protest in major German Cities. In: Tér és Társadalom // Space and Society, Special Issue ‘Paradigm Shifts in Local and Urban Governance’ 1/2025
Kienast, G. & Bertram, G.F.
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Stadt und Protest. Handbuch Stadtsoziologie, 1-29. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Bertram, Grischa
