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Aufmerksamkeitsintensität: Phasische Alertness in visueller Wahrnehmung

Antragsteller Dr. Christian H. Poth
Fachliche Zuordnung Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 429119715
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Warnsignale (“Alerting Cues”) unterstützen visuelle Wahrnehmung und Handlung, in dem sie Reaktionen in Wahlaufgaben und die Geschwindigkeit der visuellen Verarbeitung erhöhen. Alerting Cues geben keine Information darüber wie gehandelt werden soll. Dass sie trotzdem Verhaltensleistungen verbessern, wird durch Phasic Alertness erklärt, einen kurzzeitigen Zustand erhöhter Wahrnehmungs- und Reaktionsbereitschaft, der durch Alerting Cues induziert wird. Traditionell wird Phasic Alertness auf reizgetriebene (bottom-up) Hirnmechanismen zurückgeführt, die Arousal erhöhen. Es ist jedoch unklar, welche reiz- und aufgabengetriebenen (Top-Down-) Mechanismen Phasic Alertness bedingen. Die erste Forschungslinie dieses Projekts gewann eine psychophysische Charakterisierung visueller und auditiver Alerting-Effekte in eine visuellen Wahlaufgabe. Die Ergebnisse zeigten, dass die beiden sensorischen Modalitäten als reizgetriebene Quellen gleichermaßen effektiv Phasic Alertness induzieren, sobald die Intensitäten ihrer Alerting Cues kontrolliert werden. Die zweite Linie untersuchte wie aufgabengetriebene Mechanismen zur Verhaltenskontrolle die Verbesserung von Wahrnehmung und Handlung durch Phasic Alertness beeinflussen. In verschiedenen Experimentalparadigmen wurden die visuelle Wahrnehmung und visuell-gesteuerte Handlungen untersucht, mittels Wahlaufgaben, Suchaufgaben und sequenziellen Handlungsaufgaben. Die Befunde legen nahe, dass Alerting unabhängig von aufgabengetriebenen Repräsentationen des Informationsgehalts von Reizen ist, der Aufmerksamkeit im Raum orientiert. Sie zeigen auch, dass Alerting unabhängig von der Aufgabenkomplexität in der visuellen Suche ist. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass Phasic Alerting Erwartungen bezüglich der Alerting Cues erfordert und dass Phasic Alertness mit der Handlungssteuerung zusammenwirkt, so dass die Unterstützung visuell-gesteuerter Handlungen durch Alerting auf die nächste Handlung in einer Sequenz beschränkt ist. Die dritte Linie untersuchte wie die aufgabengetriebene Vorbereitung der Informationsverarbeitung und der Reaktionsbereitschaft sich auf Phasic Alertness auswirkt. Die Befunde dieser Linie scheinen darauf hinzudeuten, dass Phasic Alertness nicht nur durch externe Ereignisse ausgelöst, sondern auch durch intern, basierend auf der Dringlichkeit bevorstehender Handlungen, induziert werden kann. Diese interne Form von Phasic Alertness eröffnet ein Zeitfenster, in dem Handlungen entgegen aktueller Intentionen und Aufgabeninstruktionen durch reizbasierte Verarbeitung dominiert werden. Zusammenfassend zeigen die Erkenntnisse dieses Forschungsprojekts, dass Phasic Alertness zwar reizgetrieben ausgelöst werden kann, jedoch multiple Einflüsse von aufgabengetriebenen Mechanismen darüber entscheiden wie Phasic Alertness die Wahrnehmung und Handlung unterstützt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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