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Karten als Brücken für Welt-Wissen: Westeuropäische und muslimische Kartographie des Mittelalters im interkulturellen Austausch

Fachliche Zuordnung Mittelalterliche Geschichte
Förderung Förderung von 2007 bis 2013
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 43045482
 
In transdisziplinärer Zusammenarbeit und im engen Kontakt zu Wissenschaftler/innen innerhalb und außerhalb des Schwerpunktprogramms wird im Projekt der Wissensaustausch zwischen christlicher und islamischer Welt des Mittelmeerraumes im Bereich kartographischer Vorstellungen vom ausgehenden 11. bis zum 15. Jahrhundert untersucht. Der Schwerpunkt liegt auf den für die kartographische Erfassung der Welt wichtigen Kontaktzonen zwischen den Kulturen, genauer der Iberischen Halbinsel und Mallorca, Sizilien, dem Heiligen Land und den norditalienischen Hafenstädten Genua und Venedig, die in engem wirtschaftlichen und kulturellen Austausch mit muslimischen Zentren im südlichen und östlichen Mittelmeerraum standen. Die Fragestellung richtet sich einerseits auf die Rezeption arabischen Wissens in der europäischen Kartographie, andererseits auf die Rezeption europäischen Wissens in der islamischen Kartographie, wie sie bei al-Idrisi auf Sizilien festzustellen ist. Erforscht werden die Inhalte, Wege und Strukturen des Informationsaustausches zwischen den verschiedenen Zentren islamischer Kultur (bes. al-Andalus/Nordafrika, Ägypten, Syrien/Palästina) und den europäischchristlichen Knotenpunkten des Wissenstransfers, wobei die verkürzte Dichotomie ‚christlicher Westen’ und ‚muslimischer Osten’ aufzulösen ist. Rezeption und Transformation von Wissen werden an Klimazonenkarten, an venezianischen und genuesischen Portolankarten, dem auf Mallorca gefertigten Katalanischen Weltatlas von 1375, an Weltkarten von Beatus von Liébana bis Fra Mauro und an Regionalkarten des Heiligen Landes untersucht. Im Mittelpunkt des ersten Förderungsjahres standen nicht nur die Vervollständigung und kritische Auswertung der Forschungsliteratur, sondern auch die Integrations- und Desintegrationsprozesse am Beispiel der Klimazonenkarte des Petrus Alfonsi. Die Analyse des Text-Bild- Verhältnisses und der von ihm genutzten Quellen und konnte zeigen, wie Alfonsi astronomischgeographisches Wissen der arabischen Kultur aufbereitete, neu kombinierte und in einem bis dato unbekannten Kartentyp visualisierte. Entgegen der bisherigen Forschungsmeinung handelt es sich nicht um einen Sondertyp der Macrobiuskarten, sondern um einen Kartentyp, mit dem gerade die Lehre des Macrobius in Frage gestellt werden sollte. Im zweiten Förderungsjahr werden zum einen die Rezeption des über Alfonsi vermittelten Wissens, zum anderen das Kartenwerk al-Idrisis sowie die von ihm abhängigen kartographischen Zeugnisse untersucht. Im dritten und vierten Förderungsjahr wird die Fragestellung auf Portolan- und Regionalkarten ausgeweitet.
DFG-Verfahren Schwerpunktprogramme
Internationaler Bezug Schweiz
 
 

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