Echtes Hexenwerk und falscher Zauber. Die Inszenierung von Magie im spanischen und französischen Theater des 17. Jahrhunderts
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt widmete sich der vergleichenden kulturhistorischen und ästhetischen Untersuchung des spanischen und französischen Theaters im Zeitraum von 1600 bis 1685. Mit dem Fokus auf der Inszenierung von Magie und deren Effekten wurden Innovationen in Rhetorik, Schauspielkunst und Technik des frühneuzeitlichen Bühnenbetriebs einer eingehenden Analyse unterzogen. Diese stellte das Barocktheater als Meilenstein und wegweisenden Impulsgeber innerhalb der Entwicklung des europäischen Theaters heraus. Das Projekt verfolgte drei übergeordnete Ziele: Auf theoretischer Ebene wurde anhand des Konzepts der Theatralität ein Analysemodell entwickelt, mit dem die Inszenierung von Magie in realhistorischen und theaterästhetischen Kontexten beschreibbar wird. Auf inhaltlicher Mikroebene wurden durch ein Close Reading von spanischen und französischen Theaterstücken unterschiedlichster Subgenres sowie historischen Dokumenten sprachliche und performative Inszenierungsweisen magischer Akte erforscht. Auf inhaltlicher Makroebene legte ein Vergleich zwischen spanischen und französischen Theatertraditionen Gemeinsamkeiten, Unterschiede und langfristige Entwicklungen im Umgang mit Magie offen. Methodisch kombinierte das Projekt Ansätze aus Anthropologie/Ethnologie, Linguistik/Rhetorik und Literatur-/ Theaterwissenschaft. Als grundlegendes Ergebnis wies das Projekt einen dreifachen Fortschrittsprozess in Spanien und Frankreich – mit jeweils länderspezifischen Sonderentwicklungen – nach: Generell ist im 17. Jahrhundert als Schwellenphase zwischen alten und ‚modernen‘ Vorstellungen eine zunehmende Säkularisierung, Scientifizierung und Technisierung zu beobachten. Anhand der historischen Feingliederung der Magie in magia daemoniaca, magia naturalis und magia artificialis ließen sich diese Prozesse im Detail beschreiben: Die dämonische Magie verliert durch allmähliche Abkehr vom Aberglauben an Bedeutung, während sich rationale Erklärungsansätze durchsetzen. Die natürliche Magie entwickelt sich sukzessive von Astrologie, Alchimie und Wundermedizin zur modernen Astronomie, Chemie und Medizin. Die künstliche Magie wird als technische Illusion perfektioniert – insbesondere im Theater mit seiner ausgeklügelten Bühnentechnik. Das Projekt legt für eine Anschlussuntersuchung zur magia daemoniaca und der Inszenierung des Teufels die Verengung auf die französische Literaturgeschichte und die zeitliche Öffnung auf die Spanne zwischen Mittelalter und Gegenwart nahe. Das Folgeprojekt wird die diachrone Entwicklung der Magie von der trügerischen Illusion zur illusionistischen Kunst in der longue durée nachverfolgen und die teuflische Hybridität dabei als Generator von Kreativität herausarbeiten.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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„Mächtige Zauberin, verlassene Frau – verweichlichte Helden, dominierende Männer. Geschlechteridentitäten in Bewegung am Beispiel barocker Kirke- Dramen.“ In: Milan Herold, Claudia Jacobi (Hg.): Geschlechter(re)inszenierungen im Drama des 17.–20. Jahrhunderts, zugleich PhiN-Beiheft 26 (2021), S. 92–108
Wörsdörfer, Anna Isabell
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Kulturelle Performance und künstlerische Aufführung. Peter Lang Verlag.
Wörsdörfer, Anna Isabell & Homann, Florian
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Zwischen medizinischer Expertise, Spektakel und Kommerz. Rituelle und theatrale Praktiken des Scharlatans. Kulturelle Performance und künstlerische Aufführung. Peter Lang Verlag.
Wörsdörfer, Anna Isabell
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Dämonologische Mengenlehre. Menge und Krankheit, 37-52. Brill | Fink.
Wörsdörfer, Anna Isabell
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„Von Teufelsanbetern, Möchtegerndetektiven und anderen Literaturverrückten. Die obsessive Lektüre als intertextuelles Krankheitsbild in Arturo Pérez-Revertes El Club Dumas (1993).“ In: Tobias Berneiser, Frank Estelmann (Hg.): Literatur als Obsession zwischen Cervantes’ Don Quijote und der Gegenwart. Münster: LIT 2023, S. 111–130. ISBN: 978-3-643-14318-1
Wörsdörfer, Anna Isabell
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Ars diaboli. Teuflische Formen – Formen des Teuflischen. Paderborn: Brill / Fink 2024 (= Medienkulturwissenschaft, 6). ISBN: 978-3-7705-6801-7
Wörsdörfer, Anna Isabell & Rieger, Dietmar (Hg.)
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Das Diabolische des Dämonologen. Ars diaboli, 411-439. Brill | Fink.
Wörsdörfer, Anna Isabell
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Magie-Theater im 17. Jahrhundert. De Gruyter.
Wörsdörfer, Anna Isabell
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Französisches Sprechtheater, spanisches Bühnenspektakel? Eine Revision länderspezifischer Präsenzeffekte magischer Erscheinungen auf der frühneuzeitlichen Theaterbühne. Simulatio. Theatertechniken in Literatur, Medien und Wissenschaft, 139-158. Springer Berlin Heidelberg.
Wörsdörfer, Anna Isabell
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Transkulturelle Karrieren italienischer Bühnentechniker. Daphnis, 53(2-3), 478-504.
Wörsdörfer, Anna Isabell
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Von der kreativen magia daemoniaca zum Teufel als Künstler Spanisch-französische Stationen der ars diaboli vom 17. bis 20. Jahrhundert. Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen(1).
Wörsdörfer, Anna Isabell
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Von der magia daemoniaca zur magia artificialis. Semantiken der Illusion und Performanz des Teufelsbündners auf der spanischen Barockbühne. Dämonie der Illusion – L’illusion et le démoniaque, 257-274. De Gruyter.
Wörsdörfer, Anna Isabell
