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Online-Edition der altlateinischen Apostelgeschichte (Vetus Latina)

Fachliche Zuordnung Griechische und Lateinische Philologie
Evangelische Theologie
Katholische Theologie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 436998137
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

In diesem Projekt wird eine digitale Edition der lateinischen Bibelübersetzungen der Apostelgeschichte erarbeitet, die der Öffentlichkeit auf der Homepage des Projekts zur Verfügung gestellt wird. Zu jedem Vers werden die griechischen Ausgangstexte und die verschiedenen lateinischen Übersetzungen in chronologischer Reihenfolge präsentiert, die orthographischen Besonderheiten der einzelnen Handschriften verzeichnet und die Belege für die einzelnen Lesarten aus den Handschriften und den Zitaten bei den kirchlichen Autoren angegeben. Im Zeugenapparat werden sämtliche einschlägigen Kirchenvaterzitate nach den maßgeblichen Ausgaben präsentiert. Die vollständigen Wortlaute sämtlicher Handschriften können zudem in separaten Dateien eingesehen werden. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die sich aus dem bearbeiteten Material ergeben haben, sind sehr weitreichend. Die bisherige communis opinio, es habe eine einzige "Urübersetzung" der Apostelgeschichte gegeben, die im weiteren Verlauf überarbeitet worden sei, ist nicht länger haltbar. Es können vielmehr verschiedene altlateinische Übersetzungen nachgewiesen werden, die zum Teil auf verschiedene griechische Ausgangstexte zurückzuführen sind. Die bislang als Argument für die "Urübersetzung" angeführten partiellen Übereinstimmungen der Textfassungen resultieren hingegen aus der Tatsache, dass bei dem Streben nach einer einigermaßen textgenauen Übersetzung aus dem Griechischen eben nur begrenzte Variationsmöglichkeiten im Lateinischen zur Verfügung stehen. Diese werden aber gerade bei den frühen Übersetzungen meist auch vollumfänglich genutzt. Erst im Verlauf des 4. Jahrhunderts n.Chr. setzt ein Prozess der Vereinheitlichung ein, der schließlich zur Ausbildung des Vulgatatexts führt. Die bekannte und klar formulierte Aussage Augustins (De doctrina Christiana 2, 11, 16), die lateinischen Übersetzer des griechischen Neuen Testaments seien nicht zu zählen und in der frühen Phase der christlichen Religion habe jeder, der nach eigener Einschätzung über eine hinreichende Sprachkompetenz in den beiden Sprachen verfügte, es unternommen, griechische Bibelcodices, die ihm in die Hände kamen, ins Lateinische zu übersetzen, sollte daher nicht länger als ein "Irrtum" des Kirchenvaters abgetan werden. Sie wird durch die hier skizzierten Arbeiten an der Apostelgeschichte bestätigt. Es wäre zudem abwegig, für die übrigen Schriften des Neuen Testaments grundlegend andere Verhältnisse anzunehmen. Die bisherigen Darstellungen der Entwicklung der lateinischen Bibelübersetzungen des Neuen Testaments müssen damit substantiell revidiert werden.

 
 

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