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Rekonstruktion der Mittel- und Spätpleistozänen Vergletscherungsgeschichte des südlichen Kordilleren Eisschilds (Fraser Lowland, British Columbia) – ein geochemischer Ansatz.

Antragsteller Dr. Raphael Gromig
Fachliche Zuordnung Paläontologie
Förderung Förderung von 2020 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 438259922
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Rekonstruktion von Eisflussrichtungen während Vereisungsphasen trägt maßgeblich zum Verständnis regionaler Vergletscherungsgeschichte bei. Gegenstand des durchgeführten Projekts war die Verbesserung des Verständnisses der Vergletscherungsgeschichte des Kordilleren- Eisschilds an seinem südwestlichen Rand, d.h. dem westlichen Fraser Lowland (BC, Kanada), während des marinen Isotopenstadiums (MIS) 4 (Semiahmoo-Eiszeit) und MIS 2 (Fraser-Eiszeit mit dem frühen Coquitlam- and und dem späteren Vashon Stadial). Till-Proben aus einer Reihe von Sedimentkernen aus dem westlichen Fraser-Lowland (Port Moody) wurden mittels geochemischer (XRF), mineralogischer (XRD) und granulometrischer (Korngröße) Methoden untersucht. Der ursprüngliche Ansatz, µXRF-Scanning zu verwenden, hat sich als ungeeignet für diese Anwendung erwiesen und wurde daher nicht weiter verfolgt. Die untersuchten Sedimente wurden während des MIS 4 und MIS 2 abgelagert. Die Daten liefern Rückschlüsse auf die Herkunft der Sedimente (Provenienz), die wichtige Einblicke in paläo-Eisflussrichtungen liefern können. Es konnten zwei Provenienzen identifiziert werden: Die North Cascades im Osten, und die southern Coast Mountains im Norden des Fraser Lowlands. MIS 4 Till ist angereichert an Material östlicher Provenienz, was darauf hindeutet, dass die klimatischen Bedingungen in einem bestimmten Zeitraum während MIS 4 eine frühere oder schnellere Eisbildung im Osten begünstigt haben. Die Sommer-Insolation einerseits, und atmosphärische Zirkulation, die von der Ausdehnung des Laurentidischen Eisschilds (LIS) beeinflusst wird, andererseits, stellen die wichtigsten Einflussfaktoren für die Vereisung der North Cascades und den southern Coast Mountains dar. Verringerte Sommer-Insolation und ein nicht voll entwickelter LIS scheinen in kontinentaleren Gebieten (z.B. North Cascades) günstige Klimabedingungen für die Eisakkumulation geschaffen zu haben, möglicherweise während des frühen MIS 4. Sommer-Insolationsmaxima, die eine höheren Feuchtigkeitsaufnahme und über dem Nordpazifik begünstigten und insbesondere in den maritimer geprägten southern Coast Mountains zu erhöhten Niederschlägen führten, könnten die Eisakkumulation im späten MIS 4, sowie in der Phase der maximalen südlichen Ausdehnung des Kordilleren Eisschilds in der Fraser-Eiszeit (Vashon Stadial) während des späten MIS 2 begünstigt haben. Hochauflösende Light Detection and Ranging (Lidar)-Aufnahmen des westlichen Fraser Lowlands wurden verwendet, um anhand geomorphologischer Strukturen auf die Eisströmungsrichtung während des Vashon Stadials der Fraser-Eiszeit zu schließen. Stromlinienförmige geomorphologische Strukturen wie Drumlins, Flutes und Crag-and-Tails lassen Rückschlüsse auf die Eisbewegung während der Vashon-Stadials zu. Die Daten lassen den Schluss zu, dass das Eis, welches das westliche Fraser Lowland bedeckte, während der beiden Stadiale im MIS 2 (das frühere Coquitlam Stadial und das Vashon Stadial) aus dem Nordwesten (Howe Sound/Strait of Georgia) und dem Norden (southern Coast Mountains) kam. Die Interpretation unserer Daten widerspricht früheren Hypothesen, wonach das Eis während der Maxima beider Stadiale der Fraser-Eiszeit aus dem östlichen Fraser Lowland kommend das westliche Fraser Lowland erreichte. Darüber hinaus tragen neue Radiokohlenstoff-Alter vom Ostufer der Strait of Georgia zur Debatte über die Position des nach Süden vorstoßenden Eisrandes in der Salish Sea bei.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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