Der Effekt einer forcierten oralen Glucoseaufnahme auf das Alkoholcraving und die mesolimbische Reizreaktivität bei Alkoholabhängigkeit
Zusammenfassung der Projektergebnisse
In dieser randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studie wurde der Effekt einer forcierten oralen Glucoseaufnahme auf das subjektive Craving und die Reizreaktivität im fMRT bei alkoholabhängigen Patienten, sowie die Rolle der appetit-regulierenden Hormone Ghrelin und Insulin in diesem Zusammenhang untersucht. Dabei wurden in Bezug auf den Wirkmechanismus Ghrelin insbesondere die möglichen Geschlechterunterschiede und in Bezug auf den Wirkmechanismus Insulin die unterschiedlichen Insulin-Responder-Typen berücksichtigt. Untersucht wurden 80 männliche und weibliche tagesklinische und stationäre Patient*innen mit einer Alkoholabhängigkeit in ihrer frühen Abstinenz. In den Modellen unter Berücksichtigung der Ghrelinwerte zeigte sich ein signifikanter Interaktionseffekt zwischen Geschlecht und Treatment auf das Craving, mit niedrigeren Craving-Werten bei Männern und höherem Craving bei Frauen in der Glucose- im Vergleich zur Placebo-Bedingung. Bei Männern konnte ein Haupteffekt des acylierten Ghrelins auf das Verlangen und eine größere Habituation an die cue-induzierte Hirnaktivierung nach Glucoseaufnahme im Vergleich zu Placeboaufnahme im rechten Putamen gezeigt werden. Unter Berücksichtigung der Insulinwerte zeigte sich ein signifikanter Interaktionseffekt zwischen Insulin-Responder-Typ und Treatment. Post-hoc Tests zeigten dabei, dass das Craving bei Personen des zweiten Insulin-Responder-Typus (normal, Insulinpeak zwischen 30 und 60 Minuten nach Glucosegabe) in der Glucosebedingung signifikant niedriger war als in der Placebobedingung. In der Gruppe der frühen Insulin-Responder (Insulinpeak vor der 30. Minute nach Glucosegabe) zeigten sich höhere Craving-Werte in der Glucose- als in der Placebobedingung. In der Gruppe der späten Insulin-Responder zeigte sich kein Unterschied in den Craving-Werten zwischen beiden Bedingungen. Insgesamt betrachtet deuten die Ergebnisse daraufhin, dass die forcierte Glucosegabe vor dem Hintergrund des Wirkmechanismus von acyliertem Ghrelin eine kurzfristige Behandlung für alkoholabhängige Männer sein kann, um das Craving nach Alkohol zu verringern und eine schnellere Gewöhnung an Alkoholreize bei fMRT-Messung zu erlangen. Betrachtet man die Ergebnisse vor dem Hintergrund des Wirkmechanismus von Insulin, zeigt sich, dass die forcierte Glucosegabe als mögliche kurzfristige Behandlung für alkoholabhängige Personen, die in die Gruppe der "normalen" Insulin-Responder eingeordnet werden, angewendet werden kann. Die dargestellten Ergebnisse der Studie stellen folglich einen wichtigen Beitrag dar, der die Möglichkeit aufzeigt, Glucose als kurzzeitig wirksame, akute und leicht selbst zu verabreichende Anti-Craving-Strategie im Rahmen der personalisierten Medizin bei Alkoholabhängigkeit einzusetzen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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G-CuP: the effect of a forced oral glucose intake on alcohol craving and mesolimbic cue reactivity in alcohol dependence—study protocol of a randomized, double-blind, placebo-controlled crossover study. Trials, 23(1).
Wetzel, Lea; Pourbaix, Madeleine; Riegler, Alisa; Pfeifer, Anna-Maria; Reinhard, Iris; Hoffmann, Sabine; Vollstädt-Klein, Sabine; Kiefer, Falk; Sommer, Wolfgang; Bumb, Jan Malte; Bach, Patrick & Koopmann, Anne
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The effect of oral glucose intake on alcohol craving and fMRI cue-reactivity in alcohol dependence – role of appetite-regulating hormones [Posterpräsentation]. ECNP 2023, Barcelona
Wetzel, L., Hoffmann, S., Bach, P., Kiefer, F. & Koopmann. A.
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Zucker gegen Alkoholverlangen? Effekte einer Glukosegabe auf Alkoholverlangen und Gehirnaktivität bei alkoholabhängigen Patienten und die Rolle von Ghrelin und Insulin. [Konferenzbeitrag]. Deutscher Suchtkongress 2023, Berlin
Wetzel, L.
