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Die "Konservative Revolution" und die Macht hermetischer Rhetorik

Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 438610286
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Phänomen der „Konservativen Revolution“ wurde bislang wenig in seinen historischen Bezügen analysiert, weil es nach 1945 gelungen ist, diese Chiffre für die „Mohrenwäsche“ von Nationalsozialisten handhabbar zu machen. Die entscheidende Figur in diesem Zusammenhang war Armin Mohler, der ehemalige Sekretär Ernst Jüngers. Als erster Geschäftsführer der Siemens Stiftung verfügte der bestens vernetzte Mohler über großen Einfluss. Hiergegen wandten sich seit Mitte der 1960er Jahre viele Intellektuelle. Besonders erfolgreich war der Hamburger Soziologe Stefan Breuer: Er bestritt, dass es die Konservative Revolution je gegeben habe – und schüttete dabei das Kind mit dem Bade aus. Denn nach dem Ersten Weltkrieg entstanden gewollt widersprüchliche Chiffren häufig. Auch heutige Gewaltherrscher fühlen sich von paradoxen Denkfiguren angezogen. Pars pro toto sei Vladimir Putin erwähnt, der die Wiedergeburt des neuen Menschen mit einer Bejahung der Russisch-Orthodoxen Kirche und einem autoritären Staatsverständnis kombiniert. Meine Untersuchungen setzten sich mit den Gründen für die intensive Wirkung der Konservativen Revolution im deutschsprachigen Raum auseinander. Die ideengeschichtlich zentralen Texte hatten nur wenig mit den Argumenten zu tun, welche die politischen Auseinandersetzungen bestimmten. Viel wichtiger waren die emblematischen Metaphern in den Buchtiteln, denen sich kaum jemand entziehen konnte. Sie wurden zum Gravitationskern der Debatten und bestimmten ihre Eigenart, die stärker von kulturpessimistischen Tönen als von Zukunftsoptimismus bestimmt war. Stand dieser einmal im Zentrum wie bei Spenglers oder Edgar Julius Jungs Technikbejahung, wurde er in einer düsteren Sprache ausgedrückt, die auf die Wichtigkeit einer tragischen Gesamtsicht verwies. Im Mittelpunkt meiner Forschungen stand die Take-off-Phase der Konservativen Revolution nach dem Ersten Weltkrieg. Der Sache nach gingt es um Werke, die gleichzeitig die Vordenker der extremen Rechten inspirierten und ein Massenpublikum erreichten. Die Rede ist von Büchern wie Oswald Spengler Der Untergang des Abendlandes (1918/1922), Arthur Moeller van den Bruck, Das dritte Reich (1923); Hans Grimm, Volk ohne Raum (1926), Martin Heidegger, Sein und Zeit (1927) und Edgar Julius Jung, Die Herrschaft der Minderwertigen (1927/1930). Auf der Basis umfassender archivalischer Recherchen sollte ihre Wirkungsgeschichte neu vermessen werden. Dabei war die erkenntnisleitende Vermutung, dass die antiliberale Stoßrichtung konservativer Revolutionäre für ihre Resonanz nicht ausschlaggebend gewesen sein kann. In keinem Fall lässt sich das antiliberale Feindbild als ideengeschichtliches Alleinstellungsmerkmal charakterisieren; vielmehr bestand gerade in diesem Punkt eine starke Konkurrenz unter den Sinnanbietern auf der radikalen Rechten.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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