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Herrschaftspraxis, Übergangsmanagement und Gedächtnis einer geistlichen Korporation. Die Schriftlichkeit des Bamberger Domkapitels in der Frühen Neuzeit

Fachliche Zuordnung Frühneuzeitliche Geschichte
Förderung Förderung von 2020 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 438678725
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt, an dessen Ende zwei abgeschlossene Dissertationen sowie mehrere Aufsatzpublikationen stehen, erbrachte grundlegende Erkenntnisse zum Selbstverständnis einer frühneuzeitlichen geistlichen Korporation, zu Prozessen der Institutionen- und Organisationsbildung in der Vormoderne sowie zur Geschichte der Verwaltung eines räumlich fragmentierten Grund- und Herrschaftsbesitzes. Durch die diachrone Analyse zweier längerer Zeitabschnitte (1522–1623, 1753–1802/03) zeigte das Projekt grundlegende Veränderungen im Bereich der Landesherrschaft des Bamberger Domkapitels auf und profilierte überdies seine Rolle als Mitregent des Hochstifts Bamberg. Während die Korporation im 16. Jahrhundert noch dezidiert als Kontrollinstanz des Fürstbischofs und seiner weltlichen Regierung auftrat, ging ihr Einfluss in diesem Bereich im 18. Jahrhundert zurück. Wenngleich einzelne Domherren, etwa als Mitglieder von Regierungsgremien und diplomatische Gesandte, nach wie vor eine wichtige Rolle für die Geschicke des Hochstifts spielten, führte die Ausdifferenzierung der hochstiftischen Verwaltung insgesamt zu einem Bedeutungsverlust des Kapitels. Während geistliche Korporationen bislang kaum unter den Gesichtspunkten von Informationsmanagement und Verwaltungsintensivierung untersucht wurden, hat das Projekt eindrücklich gezeigt, dass das Kapitel mitunter sogar stärker als der Fürstbischof Maßnahmen der Herrschaftsverdichtung vorantrieb. Auf diese Weise leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung vormoderner Herrschaftsstrukturen und Staatsbildungsprozesse. Durch die intensive Aufbereitung der Rezessbücher des Domkapitels wurde überdies ein umfangreicher Quellenbestand für die Geschichte Bambergs und Oberfrankens erschlossen, der durch die Bereitstellung der Projektdatenbank künftig für weiterführende Studien genutzt werden kann. Der Erkenntniswert der beiden im Rahmen des Projekts entstandenen Dissertationen bleibt indes nicht auf die Regionalgeschichte beschränkt, sondern eröffnet darüber hinaus neue Perspektiven auf die Geistlichen Staaten und den Stiftsadel des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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