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Indrabhūtis Jñānasiddhi: Eine eingehende Studie der indischen Ursprünge und frühen Überlieferung innerhalb der indo-tibetischen Mahāmudrā Lehren

Fachliche Zuordnung Asienbezogene Wissenschaften
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 438848070
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt widmete sich dem eingehenden Studium der Ursprünge und Überlieferung der dem Indrabhūti zugeschriebenen Jñānasiddhi (JS), einem einflussreichen Werk des tantrischen Buddhismus. Über die textkritisch-philologische Bearbeitung hinaus wurden dessen Stellung innerhalb der indo-tibetischen Mahāmudrā Lehren sowie Fragen zu Autorschaft, Datierung und Textüberlieferung untersucht. Die Forschung wurde in Gerloff und Schott 2024 veröffentlicht. Als einer jener wenigen frühen und in Sanskrit erhaltenen exegetischen Texte des tantrischen Buddhismus hat Indrabhūti’s Opus eine herausragende Stellung innerhalb der indo-tibetischen Traditionen. Im Zentrum des Werkes steht das korrekte Verständnis von „Gnosis“ (jñāna), einem der grundlegendsten Konzepte der Geistesgeschichte per se. Die Fragen, was jñāna ist, was es nicht ist, und wie dessen „Verwirklichung“ (siddhi) erlangt werden kann in den Mittelpunkt stellend, stützt der Autor seine philosophischen und soteriologischen Sichtweisen auf eine Vielzahl einflussreicher tantrischer Schriften (u.a. Tattvasaṃgraha, Māyājāla, Guhyasamāja, Sarvabuddhasamāyoga), anhand derer das Werk präziser verortet werden kann. Die JS ist somit in die Übergangsphase von den Yoga- und Mahāyoga- zu den Yoginītantras (8–9. Jhd.) zu datieren und bezeugt einen wesentlichen, doch nur unzulänglich untersuchten Entwicklungsschritt des tantrischen Buddhismus. Die Assoziation mit Uḍḍiyāna (Swāt Region, heutiges Pakistan) stellt Autor und Text in Verbindung mit einflussreichen tantrischen Meistern (u.a. Padmavajra), Schriften und Textsammlungen (z.B. Phyag chen rgya gźuṅ, Grub pa sde bdun) und ist Teil zahlreicher Entstehungsmythen. In diesem Kontext nimmt die JS wesentlich Anteil an der Entwicklung des Mahāmudrā, und ihre Bedeutung spiegelt sich in der relativ hohen Zahl an Zitaten und anderen Formen der Rezeption wider (u.a. Subhāṣitasaṃgraha, Bhavyakīrtis Pradīpoddyotanaṭīkā, Ratnarakṣitas Padminī, Nāropās Sekoddeśaṭīkā, Rāmapālas Sekanirdeśapañjikā, Puṇḍarīkas Vimalaprabhā). Ende des 10. bzw. Anfang des 11. Jhd. von Rin chen bZaṅ po nach Tibet übertragen, wurde die JS fortan von wichtigen Gelehrten rezipiert (u.a. Situpa Chos kyi ’byuṅ gnas, ’Jam dbyaṅ mKhyen brtse’i dbaṅ po und ’Jam mgon Koṅ sprul). Kern des Projektes bilden die kritischen Editionen des Sanskrit und Tibetischen unter Einbezug wichtiger, bis dato nicht genutzter Quellen. Auf dieser Grundlage basierend erfolgte die erste vollständige Übersetzung der JS ins Englische. Die umfangreiche Einleitung und Annotation stellen die neu gewonnenen Erkenntnisse zur Klärung der Autorschaft, Datierung und textuellen Überlieferung dar und besprechen im Eingehenden die philologischen Aspekte, relevanten Parallelen und wesentlichen Inhalte der JS. Weitere, dem wissenschaftlichen Diskurs dienende Forschungsfragen wurden herausgestellt, verbleibende Probleme kenntlich gemacht und mögliche Lösungsansätze aufgezeigt. Die vorliegende Studie liefert somit einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der Entwicklung des tantrischen Buddhismus in Indien und Tibet. Die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse ist durch Verwendung kritischer Apparati, Facsimiles und die Forschung komplementierende Appendices sichergestellt.

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