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Soziotechnische Systeme der antizipatorischen Wahrheitsverifikation im Feld der Flughafensicherheit

Antragstellerinnen / Antragsteller Dr. Bettina Paul; Professor Dr. Torsten Voigt
Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 442224904
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Zur Erhöhung nationaler Sicherheit wird seit einiger Zeit maschinenbasierte Gefahrenprognostik insbesondere für Grenzkontrollkontexte entwickelt und erprobt. Derartige Screeningverfahren arbeiten mit halb- oder vollautomatisierten Systemen, die nonverbales Verhalten sowie psychophysiologische Parameter messen und damit Personen mit sogenannten “böswilligen Absichten” identifizieren sollen. Als Orte mit hochkonzentriertem Sicherheitsanspruch dienen Flughäfen dabei als priorisierte Erprobungs- und Einsatzorte. Das Projekt baut auf einer dreijährigen ebenfalls DFG-geförderten Forschung auf (2017-2020), in der die Genese und der derzeitige Stand lügendetektorischer Verfahren in Deutschland untersucht wurden. Vor diesem Hintergrund wurde im vorliegenden Projekt erforscht, wie Verfahren der Täuschungserkennung, die bislang zentral auf menschlicher, psychologischer und sicherheitstechnischer Expertise und Interpretation basieren, in automatisierte Systeme überführt werden. Das übergeordnete Ziel des Projektes war es, zu untersuchen, wie sich Sicherheitsbegehren und Vorstellungen von „Wahrheit“ in der Entwicklung neuer technischer Systeme materialisieren. Dafür wurden folgende Aspekte untersucht: Erstens vor welchem Hintergrund neue technische Systeme der antizipatorisch ausgerichteten Wahrheitsverifikation entwickelt werden, sowie die epistemische Grundlage dieser Systeme; zweitens, welche Anforderungen an das Entwicklungsfeld gestellt werden; drittens, welche Aushandlungen diese Ansprüche während der Entwicklung forcieren; und viertens, wie die Systeme praktisch ausgestaltet werden. Mit unserem Projekt konnten wir zeigen, dass es eine massive Kluft zwischen den Ansprüchen und Visionen neuer automatisierter Sicherheitstechniken im Allgemeinen und der Täuschungsund Intentionsdetektion im Besonderen gibt. Besonderer Bedeutung kommen dabei der Mensch-Maschine-Interaktion sowie dem Verständnis von Wahrheit und deren Generierung zu. Wie wir detailliert herausgearbeitet haben, kommt dabei Konzepten wie dem der Ground-Truth und des Nichtswissens eine zentrale Bedeutung zu. Das Projekt leistet damit auch einen wichtigen Beitrag zur Analyse und soziologischen Reflexion von Mensch-Maschine-Interaktionen und deren Neuaushandlung in der Gegenwartsgesellschaft.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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