Detailseite
Projekt Druckansicht

Die Politische Ökonomie der Künstlichen Intelligenz – von der Fiktion zur soziotechnischen Realität?

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 442365478
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Technologien Künstlicher Intelligenz (KI) haben in den vergangenen Jahren erneut an politökonomischer Relevanz gewonnen, was sich zunehmend auf der politischen Agenda zahlreicher Industrienationen zeigt. Mit dem “AI Act” wurde inzwischen der erste Versuch einer umfassenden europäischen KI-Regulierung erarbeitet, die nationale KI-Strategie der Bundesregierung benannte KI-Technologien bereits 2018 als ein zentrales politisches Handlungsfeld. Die gezielte deutsch-europäische Förderung von KI-Technologien über industrie- und innovationspolitische Maßnahmen (“aktive” Industriepolitik) sollte einen technologischen Aufholprozess in dem bislang von großen außereuropäischen Technologiekonzernen (“Big Tech”) dominierten Feld in Gang setzen. Ein Erfolg dieses “Catching up”-Prozesses wird als relevant sowohl für die Sicherung des deutschen Wirtschaftsmodells als auch der deutsch-europäischen Wettbewerbsfähigkeit angesehen. Das Forschungsprojekt “Die Politische Ökonomie der Künstlichen Intelligenz - von der Fiktion zur soziotechnischen Realität” untersuchte vor diesem Hintergrund erstens, inwiefern sich gegenwärtig vermittelt über das politische Handlungsfeld “KI” eine Transformation deutsch-europäischer Technologie- und Industriepolitik von einer ordnungspolitischen hin zu einer interventionistischen Staatlichkeit abzeichnet. Anhand einer empirischen Untersuchung der deutschen KI-Technologiepolitik in den Dimensionen staatlicher KI-Förderprogramme und öffentlichen Wagniskapitals, politischer Interessenvermittlung und KI-Regulierung konnte hier entgegen der eingangs erwarteten “interventionistischen” Neuausrichtung staatlicher KI-Technologiepolitik ermittelt werden, dass Kontinuitäten in den politischen Institutionen des deutschen Förderregimes weiterhin überwiegen, was einem konzertierten Aufbau von KI-Kapazitäten auf nationalstaatlicher Ebene im Sinne eines volkswirtschaftlichen “Catching up” tendenziell entgegenspricht. Zweitens analysierte das Projekt die strategische Selbstpositionierung zentraler Akteure im Handlungsfeld “KI” im deutschen Innovationssystem, insbesondere in Hinblick auf ihr Verhältnis zu Big Tech und die staatliche KI-Technologiepolitik. Hier fanden sich vermehrt KI-vermittelte Innovationsaktivitäten sowie eine Selbstorganisierung und Netzwerkbildung vorwiegend unter privatwirtschaftlicher Initiative, in der KI-Innovation und -Produktion allerdings innerhalb der Grenzen von akteursspezifischen Eigeninteressen, -kapazitäten und Geschäftsmodellen realisiert werden und auf strategische Kooperationen mit Big Tech verwiesen bleiben. Diese Resultate verdeutlichen die Notwendigkeit umfassender staatlicher Investitionen in digitale KI-Infrastrukturen und KI-spezifische Regulierung in Deutschland und Europa, da nur so zukünftige Handlungsspielräume im Spannungsfeld einer gemeinwohlorientierten und wettbewerbsfähigen Technologiegestaltung errungen werden können. Insgesamt deuten die Ergebnisse des Projekts darauf hin, dass die Ausrichtung der gegenwärtigen soziotechnischen Realität der politischen Ökonomie der KI in Deutschland den Trend einer globalen Monopolisierung von KI-Kapazitäten und der Verschärfung von Asymmetrien in KI-Wertschöpfungsketten nicht durchbricht. Zum Zeitpunkt des Projektendes ist aufgrund der hohen Dynamik im Untersuchungsfeld nicht ausgemacht, wie die neuere KI-Regulierung und infrastrukturpolitische Maßnahmen sich in Zukunft auswirken werden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung