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Wa(h)re „Mutterschaft“? Eine ethnografische Studie über ästhetische Praktiken von professionellen Mütterbloggerinnen

Antragstellerin Professorin Dr. Irene Götz
Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 443309846
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Forschungsprojekt „Wa(h)re Mutteschaft. Eine ethnografische Studie über die ästhetischen Praktiken von professionellen Mombloggerinnen“ hat ein in der digitalen Szene sich verbreitendes Modell der „Mütterbloggerinnen“ in den Blick genommen. Vor dem Hintergrund eines „ästhetischen Kapitalismus“ rückt dabei die Kommodifizierung von Mutterschaft und damit verbundene ästhetische Praxen der Verwertung und Vermarktung des familiären Alltags als Erwerbsarbeit in den Fokus der Untersuchung. Postfordistischen Logiken der Entgrenzung von Arbeit und Leben folgend, wird beim Momblogging das Erwerbsformat Mutterschaft sowohl als Status als auch als Lebensstil zum Ausgangspunkt unternehmerischer Tätigkeiten. Dabei verbreiten die Bloggerinnen stilisierte Bilder zu Mutterschaft und Familie auf ihren Momblogs; sie üben ästhetische Arbeit aus - im Sinne eines weiten Arbeitsbegriffes, in dem sie ihr Leben, ihren Alltag, ihre Kinder und ihre Mutterschaft versuchen zu besondern, „neu“ zu kreieren und authentisch zu gestalten. Mit einem akteur*innenzentrierten Ansatz wurden die Perspektiven der Frauen zentral gesetzt und die Motive und Legitimierungen, ästhetischen Praktiken sowie Konflikte und Widersprüche im Kontext ihrer Arrangements berufstätiger Mutterschaft ethnografiert. Die arbeitsethnografische Studie leistet damit einen Beitrag für ein vertieftes Verständnis der ästhetischen Erwerbslogiken und Praktiken von weiblichen Mikro-Unternehmerinnen in den sogenannten Creative Industries. Die Ergebnisse aus der Studie erbringen weiterführende Einsichten bezüglich der Verhandlung eines „new normal of worklifes“ (Tylor und Luckman, 2018). So lassen sich vermutbare Formen der neuen Normalisierung von prekären und ästhetischen Arbeitsarrangements im Kontext von als „kreativ“ aufgewerteter ästhetischer Arbeit aus einer gender- und milieusensiblen Perspektive auf exemplarischer empirischer Basis diskutieren, wodurch die sozial- und kulturwissenschaftliche Arbeitsforschung sowie die Digitalisierungs-, Geschlechter- und im speziellen Mütterforschung Impulse für die Weitführung ihrer Theorie- und Begriffsdiskussionen (z.B. Arbeitsbegriff) erhält.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • The ‘authentic’ family. Family and Space, 203-214. Routledge.
    Schmidt, Petra
  • Das Interessante zählt. Mütterblogs – eine digitale Erwerbsform und ihr Content, in: Dennis Eckhardt, Sarah Max, Martina Röthl, Roman Tischberger (Hrsg.): Digitale Arbeitskulturen. Rahmungen, Effekte, Herausforderungen. Berliner Blätter Bd. 82, S. 55-69
    Schmidt, Petra
  • Wir haben auch mal Milka gemacht. Verhandlungen von Vertrauen und Kommerz am Beispiel von Mütterbloggerinnen. In: Hamburger Journal für Kulturanthropologie, 406–417
    Schmidt, Petra
  • „Fit moms are the hot new Instagram Celebrities“, in: Ege, Moritz/Schwanhäußer, Anja/Schmitzberger Julian (Hrsg.): Mädchen*fantasien. Zur Politik und Poetik des Mädchenhaften (=Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügen, Bd.7), Münster/New York: Waxmann., S. 207–225
    Schmidt, Petra & Kuklinski, Stella
 
 

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