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Der Einfluss impliziter Theorien auf Schuldzuweisungen und Hilfeverhalten: Ein Zwei-Wege-Modell

Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 443904096
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

In diesem Projekt wurde untersucht, inwieweit implizite Theorien Hilfeverhalten beeinflussen. Unter impliziten Theorien werden dabei Überzeugungen über die Veränderbarkeit menschlicher Eigenschaften verstanden. Nach Dweck (2012, 2017) lassen sich implizite Theorien in zwei Kategorien einteilen: Eine Veränderbarkeitstheorie („growth mindset“) bezeichnet die Überzeugung, dass eine bestimmte Eigenschaft veränderbar ist, wohingegen eine Entitätstheorie („fixed mindset“) durch die Überzeugung gekennzeichnet ist, dass eine bestimmte Eigenschaft trotz Änderungsbemühungen nicht verändert werden kann. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts wurde ein Zwei-Wege-Modell zum Einfluss impliziter Theorien auf Hilfeverhalten überprüft. Das Modell geht davon aus, dass eine Veränderbarkeitstheorie einerseits Schuldzuweisungen verstärken und dadurch das Hilfeverhalten verringern kann. Andererseits kann sie die Erwartung erhöhen, dass Hilfe wirksam ist, was wiederum die Hilfsbereitschaft fördern könnte. Im ersten Teil des Projekts wurde untersucht, wie implizite Theorien über Gesundheit die Bereitschaft zur sozialen Unterstützung Erkrankter beeinflussen. Die Studien zeigten, dass Personen mit einer gesundheitsbezogenen Veränderbarkeitstheorie dazu neigten, Erkrankten mehr Schuld an ihrer Erkrankung zu geben; diese Schuldzuweisungen führten zu weniger sozialer Unterstützung. Gleichzeitig zeigte sich, dass eine Veränderbarkeitstheorie durch die Erhöhung der wahrgenommenen Wirksamkeit von Unterstützung auch eine positive Wirkung auf das Hilfeverhalten entfalten kann – ein Ergebnis, das das Zwei-Wege-Modell stützt. Der zweite Projektteil widmete sich den Auswirkungen einer Veränderbarkeitstheorie im beruflichen Kontext. Die Studien ergaben, dass eine persönlichkeitsbezogene Veränderbarkeitstheorie, vermittelt durch ein erhöhtes Gefühl von Handlungswirksamkeit, positiv mit der Bereitschaft zum Coaching zusammenhing. Hinweise auf negative Effekte durch Schuldzuweisungen fanden sich hingegen nicht. Somit wurde das Zwei-Wege-Modell in diesem Kontext nicht bestätigt, allerdings deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Förderung einer Veränderbarkeitstheorie im Arbeitsumfeld positive Effekte haben kann. Im dritten Teil des Projekts wurde untersucht, wie eine Veränderbarkeitstheorie in Bezug auf Armut die Bereitschaft beeinflusst, Bedürftigen zu helfen. Dabei zeigte sich, dass eine armutsbezogene Veränderbarkeitstheorie sowohl mit einer erhöhten Wahrnehmung von Handlungswirksamkeit als auch mit stärkeren Schuldzuweisungen einherging. Diese gegenläufigen Effekte neutralisierten sich, sodass sich insgesamt kein Einfluss auf das Hilfeverhalten ergab. Auch dieses Ergebnis stützt das Zwei-Wege-Modell und zeigt, dass insbesondere Maßnahmen zur Stärkung der wahrgenommenen Wirksamkeit von Hilfeleistungen von praktischer Relevanz sein könnten. Insgesamt verdeutlicht dieses Forschungsprojekt, dass eine Veränderbarkeitstheorie das Hilfeverhalten sowohl fördern als auch hemmen kann. Während eine Veränderbarkeitstheorie in Leistungskontexten (z. B. am Arbeitsplatz) förderlich sein kann, kann sie in sozialen Kontexten wie Armut oder Krankheit auch zu weniger Mitgefühl und mehr Schuldzuweisungen führen. Dies unterstreicht die Bedeutung eines differenzierten Verständnisses impliziter Theorien und ihrer kontextabhängigen Wirkung auf das Hilfeverhalten.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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