Eine Theorie der Plausibilität
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das traditionelle Problem der Informationsknappheit erfordert Methoden des anfechtbaren („nichtmonotonen“) Schlussfolgerns. Das jüngere Problem der Informationsüberflutung, das in unserer „postfaktischen“ Zeit besonders dringlich geworden ist, erfordert Methoden zur rationalen Revision von Überzeugungen und Meinungen. Die in diesem Projekt vorgeschlagene Theorie der Plausibilität stellt die Ressourcen bereit, die für den Umgang sowohl mit Informationsknappheit als auch Informationsüberflutung nötig sind. Die aus dem Projekt hervorgehende Monographie entwickelt eine umfassende philosophische Theorie der Plausibilität und widmet sich dabei den folgenden Themen: (i) die Repräsentation von Glauben und Glaubenszuständen; (ii) die philosophische Interpretation von plausibilitätsbasierten Schlussfolgerungen und Glaubensrevisionen durch doxastische Präferenzen; (iii) rationale „doxastische Entscheidungen“ angesichts unscharfer Abgrenzungen (Ununterscheidbarkeit, Vernachlässigbarkeit), Unvergleichbarkeiten (Inkommensurabilität, Multidimensionalität) und Kontexteffekten; (iv) Reflexionen über die Beziehung zwischen qualitativen und quantitativen Repräsentationen kognitiver Zustände sowie deren Dynamik. Der gewählte Ansatz ist primär qualitativ; er umfasst kategorisches Glauben und kategorische Erwartung sowie komparative Stärken von Glauben und Erwartung. Es werden aber auch quantitative Repräsentationsformen (Wahrscheinlichkeiten, Rankings) diskutiert, die den Status wichtiger Prinzipien der qualitativen Seite besser verständlich machen. Der zweite Teil des Projekts betraf Konditionalsätze, die mit dem Thema des ersten Teils durch den sogenannten Ramsey-Test verbunden sind (bzw. durch verschiedene Varianten desselben). In letzter Zeit haben eine Reihe von Autoren und Autorinnen ihre Unzufriedenheit mit den vorherrschenden Analysen natürlichsprachlicher Konditionalsätze als „Suppositionskonditionale“ zum Ausdruck gebracht. Letztere sind wahr oder akzeptiert, wenn das Konsequens unter der Annahme des Antezedens wahr bzw. akzeptiert ist. Dies kann jedoch auch dann der Fall sein, wenn das Antezedens für das Konsequens völlig irrelevant (oder sogar etwas ungünstig) ist. In natürlichsprachlichen Konditionalen soll das Antezedens jedoch typischerweise das Konsequens stützen oder plausibler machen. Die logische Form solcher Konditionalsätze ist daher komplexer, als es die Suppositionstheorie vorsieht. Im Rahmen des Projekts wurden „difference-making conditionals“ und „dependence conditionals“ als zwei Ansätze analysiert, diese Idee zu kodieren, indem modale und probabilistische Modellierungen angewendet, die gültigen logischen Prinzipien identifiziert und diese Analysen mit dem wohl stärksten rivalisierenden Ansatz verglichen wurden. Schlüsselwörter: Plausibilität, anfechtbares Schlussfolgern, Glaubensrevision, Theorie rationaler Wahl, Konditionalsätze, (evidentielle) Stützung
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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The logic of conditionals. In E. N. Zalta (ed.), Stanford encyclopedia of philosophy. Stanford University: Metaphysics Research Lab
Egré, P. & Rott, H.
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Evidential Support and Contraposition. Erkenntnis, 89(6), 2253-2271.
Rott, Hans
