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Genus-Kopie im Kontaktvergleich

Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung von 2020 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 451922097
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Der Transfer von Substantiven zwischen Sprachen ist ein weitverbreitetes Phänomen. Das Projekt untersuchte, was mit Substantiven geschieht, die aus einer Genus-Sprache in eine Genus-Sprache entlehnt werden. Behält das Lehnsubstantiv sein quellsprachliches Genus oder wird es gemäß den replikasprachlichen Regeln einem anderen Genus zugewiesen? Zwei starke Hypothesen konkurrieren in der einschlägigen Literatur. Eine Hypothese nimmt an, dass sich normalerweise die replikasprachlichen Regeln durchsetzen. Die gegenteilige Ansicht besagt, dass Genuskopie (= Beibehaltung des quellsprachlichen Genus) besonders in solchen Situationen wichtig ist, in denen die Replikasprachen in soziolinguistischer Hinsicht benachteiligt sind. Die kontaktlinguistische Theorie ist an der Klärung der Kontroverse interessiert, weil sie Prädiktionsfähigkeit hinsichtlich dessen, was im Sprachkontakt geschehen kann und was nicht, anstrebt. Das Projekt überprüfte die Haltbarkeit der beiden Hypothesen auf der Basis von fünfundfünfzig Sprachkontaktsituationen, die zwei Genus-Sprachen involvieren. Das Genus von Lehnsubstantiven wurde sowohl für soziolinguistisch stabile als auch instabile Replikasprachen erhoben, um festzustellen, ob es eine Korrelation zwischen Genuskopie und soziolinguistischen Faktoren gibt. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Genuskopie eine viel weitere Verbreitung besitzt, als dies bisher angenommen wurde. Genuskopie tritt auch in soziolinguistisch robusten Sprachen auf, wofür überzeugende Evidenz vorliegt. Andererseits trifft es (von Ausnahmen abgesehen) durchaus zu, dass Sprachen in soziolinguistisch "prekärer" Lage tendenziell eher Genuskopie praktizieren. Allerdings ergibt sich aus den Daten auch, dass in ein und derselben Replikasprache sowohl quellsprachliche als auch replikasprachliche Prinzipien koexistieren können; sie schließen sich mithin nicht gegenseitig aus. Das Projekt hat noch zwei zusätzliche Ergebnisse gezeitigt: (a) Genus entsteht normalerweise nicht im Sprachkontakt, (b) massive Entlehnung aus einer Quellsprache ohne Genus kann weitreichende Konsequenzen für das Genussystem der Replikasprache haben.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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