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Mission vor der Kolonialisierung - Eine Neubewertung des religiösen Kontakts in Grönland und Sápmi zwischen 1000 und 1700

Fachliche Zuordnung Mittelalterliche Geschichte
Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Förderung Förderung von 2021 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 454766761
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersuchte die Interaktionen zwischen christlich-skandinavischen Bevölkerungsgruppen und indigenen arktischen und fennoskandinavischen Bevölkerungsgruppen zwischen 1000 und 1700. Statt traditionelle Narrative von Konversion als Machtausübung zu reproduzieren, betonte Projekt den Handlungsspielraum und Aushandlungsprozesse auf beiden Seiten. Durch die Anwendung interdisziplinärer Methoden, darunter historische Semantik und die Analyse schriftlichen und archäologischen Materials, bot die Untersuchung ein nuancierteres Verständnis mittelalterlichen Kulturkontakts. Eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts besteht darin, anachronistische Interpretationen der mittelalterlichen Missionsbemühungen in Frage zu stellen. So wurde deutlich, dass religiöse Kontakte nicht als inhärent kolonial zu betrachten sind, sondern dass sich Konversionsprozesse oft über lange Zeiträume und ohne Anzeichen von Zwang vollzogen. Darüber hinaus untersuchte das Projekt die Konstruktion ethnischer Kategorien in mittelalterlichen Texten und zeigte, dass ethnische Kategorien häufiger durch Geographie, Kultur oder Lebensweise als durch Abstammung oder somatische Marker definiert wurden. Mithilfe einer Integration postkolonialer und indigener Methoden interpretierte das Projektteam die indigenen Handlungsspielräume während religiöser Veränderungen neu, insbesondere in Bezug auf die Saami. Die Anwendung von Konzepten wie „double consciousness“ und „thirding“ bot alternative Lesarten mittelalterlicher Konversionserzählungen, wodurch die Komplexität von Identitätsaushandlungen aufgezeigt werden konnte. Die Ergebnisse des Projekts tragen zu aktuellen wissenschaftlichen Debatten über Rassismus und Kolonialismus in der Mediävistik bei und bieten eine kritische Neubewertung von seit langem bestehenden Annahmen. Die Situation im Archiv des Nunatta Katersugaasivia Allagaateqarfialu [Grönländisches Nationalmuseum und Archiv] stellte eine unvorhersehbare Herausforderung dar, die die Umsetzung der archäologischen Komponente in Arbeitspaket 2 beeinträchtigte. Aus diesem Grund fokussierte sich das Arbeitspaket eher auf den sogenannten „Indigenous Turn of Medieval Studies“, indigene Historiographie, Saami-Konversion und die Anwendbarkeit postkolonialer Theorie auf diese Kontexte. Erschwerend kam hinzu, dass es innerhalb des Förderformats nicht möglich war, Verbindungen zu indigenen Communities aufzubauen, die auf beiderseitigem Vorteil beruhen – ein zentraler Aspekt, der wiederholt von indigenen Aktivist*innen und Forschenden eingefordert wurde. Solveig Marie Wang hat als Expertin an der Podiumsdiskussion „Samisk middelalder. Hva vi vet og hvorfor vi vet så lite“ [Saamisches Mittelalter. Was wir wissen und warum wir so wenig wissen], ausgerichtet im Oktober 2024 durch Nationalbiblioteket [die Nationalbibliothek von Norwegen], teilgenommen. Die Podiumsdiskussion war außerordentlich populär und wurde als Stream sowohl online als auch in Bibliotheken in Sápmi gezeigt. Im Zusammenhang damit wurde sie durch die Saami-Zeitung Ságat interviewt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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