Queering von Gender, Begehren und lokalen Mythen in der (Neo-)Burlesque. Eine vergleichende Analyse der (Neo-)Burlesque-Szenen in New Orleans, Berlin und Warschau
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Während die (Neo-)Burlesque im englischen Sprachraum stark wissenschaftlich diskutiert wird, war das Thema in Deutschland lange eine Forschungslücke, obwohl die ersten (Neo-)Burlesque-Shows bereits 2005 in Berlin stattfanden. Das Projekt schließt diese Forschungslücke und untersucht insbesondere die queerende Wirkung der (Neo-)Burlesque. Das Projekt ging von der bisher nicht untersuchten Annahme aus, dass die (Neo-)Burlesque insgesamt queerend – veruneindeutigend, denormalisierend, dehierarchisierend – ist. Die (Neo-)Burlesque wurde als ein popkulturelles Phänomen analysiert, welches eine subversive Wirkung auf zwei Ebenen hat – nicht nur im Sinne einer queeren Intervention in der heteronormativen Matrix, sondern auch auf der Ebene der lokalen Mythen, die u.a. durch den autobiografisch geprägten Blick der Performer*innen infrage gestellt werden. Im Projekt wurde der bisher in der Forschung weitgehend ausgeklammerte lokale Aspekt untersucht, der zeigte, dass es sich bei der (Neo-)Burlesque um ein situiertes Phänomen handelt. Die (Neo-)Burlesque greift nicht nur die aktuellen gesellschaftspolitischen Stimmungslagen auf, sondern bietet eine Fläche für die spielerische Auseinandersetzung mit den kulturellen Inszenierungen und Instrumentalisierungen von Geschichte und Tradition. Die zentralen Fragen des Projekts waren: Funktioniert die (Neo-)Burlesque als eine queere Intervention, indem sie traditionelle Vorstellungen von Geschlechterrollen und Heteronormativität parodistisch iteriert? Wenn ja, wie sieht diese queere Intervention konkret aus? Kann die (Neo-)Burlesque durch spielerische Darbietung ebenfalls lokale und nationale Mythen in Frage stellen? Wie und mit welcher Wirkung werden diese lokalen Narrative durch die Performer*innen und ihre biografische Geschichte aufgegriffen? Diese Fragen wurden im Rahmen eines internationalen Vergleichs der (Neo-)Burlesque-Szenen von New Orleans, Berlin und Warschau untersucht. Die Erkenntnisse aus der Forschungsliteratur, Feldforschung und Interviews mit Performer*innen in den drei Städten zeigen, dass es sich bei einem auf dem ersten Blick unpolitischen Unterhaltungsphänomen um eine subversive populäre Kunst handelt. Ein weiteres Ziel des Projektes war das Zusammenbringen von Akademia und Burlesque im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung. Diese fand in Form eines internationalen Symposiums der Universität Potsdam und der DFG mit dem Titel „Academia Goes Burlesque: on the Queer Impact of the, Popular and Sexual Culture“ am 15.-16. Mai 2024 in Berlin statt. Hier nahmen sowohl Forschende aus Warschau, New Orleans, Berlin, Leeds und Wien als auch Performer*innen aus Berlin, New Orleans und Warschau teil.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
-
Wigs, gloves & much more... in: Julia Gaes: Wigs & Gloves, 2022, S. 71-80.
Staśkiewicz, Joanna
-
Killing the Pain with Pleasure: On the Queering Effect of the Neo-Burlesque. Queer Pop, 119-136. De Gruyter.
Staśkiewicz, Joanna
