Zum Einfluss von Kultur auf die Integration von Migrant*innen: Sozialökonomische Meta-Analyse der epidemiologischen Forschung
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Dieses Projekt zielt darauf ab, den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zur ökonomischen und sozialen Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu vertiefen, insbesondere im Hinblick auf den anhaltenden Einfluss ihrer Herkunftskultur. Hierfür erstellen wir einen umfassenden Meta-Datensatz der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Literatur, die den "epidemiologischen Ansatz" verwendet, um kulturelle Einflüsse auf das Verhalten von Menschen mit Migrationsgeschichte zu quantifizieren. Der epidemiologische Ansatz untersucht Korrelationen zwischen dem Verhalten von Zugewanderten und deren Nachkommen in der Aufnahmegesellschaft einerseits und quantitativen Indikatoren kultureller Kontexte in den Herkunftsländern andererseits. Eine frühe Anwendung liefern Fernández und Fogli (2006), die einen positiven Zusammenhang zwischen der Kinderzahl von Frauen der zweiten Zuwanderungsgeneration in den USA und den Fertilitätsraten in deren Herkunftsländern nachweisen. Obwohl dieser Ansatz in der Ökonomie wie auch in der Soziologie Anwendung findet, haben die beiden Disziplinen ihre Erkenntnisse bislang kaum integriert. Unser Projekt führt daher die Evidenz aus beiden Forschungsrichtungen in einer interdisziplinären Synthese zusammen. Das Ergebnis ist eine systematische analytische Zusammenfassung von 147 empirischen Studien, die in einer konventionellen Literaturübersicht nicht möglich wäre. Über die Datensatzerstellung hinaus adressieren wir drei zentrale methodische Herausforderungen des epidemiologischen Ansatzes in einer Meta-Analyse: Erstens analysieren wir, wie selektive Migration auf Basis kultureller Normen die Messung kultureller Einflüsse verzerrt. Zweitens erforschen wir, wie Institutionen der Aufnahmegesellschaft den Zusammenhang zwischen Verhalten und kultureller Herkunft moderieren. Hierbei berücksichtigen wir, dass Familien mit Migrationsgeschichte je nach Einwanderungspolitik unterschiedliche Integrationshürden überwinden müssen. Drittens untersuchen wir, inwieweit epidemiologische Studien – ähnlich wie viele Forschungskorpora in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften – einem Publikations-Bias unterliegen. Die Ergebnisse unseres Projekts haben unmittelbare Relevanz für die gesellschaftliche Debatte zur Integration: Sie tragen zu einem differenzierteren Verständnis kultureller Einflüsse bei und helfen, pauschale Urteile über die Rolle von Herkunftskultur kritisch zu hinterfragen. Durch die systematische Adressierung methodischer Herausforderungen verbessern wir zudem die wissenschaftliche Grundlage für eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel kultureller Faktoren und struktureller Rahmenbedingungen im Integrationsprozess. Langfristig können diese Erkenntnisse dazu beitragen, integrationspolitische Diskussionen auf eine solidere empirische Basis zu stellen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Culture, female labour force participation, and selective migration: new meta-analytic evidence. WiSo-HH Working Paper Series, No. 65. University of Hamburg, Faculty of Business, Economics and Social Sciences, WISO Research Laboratory. ISSN 2196-8128
Markowsky, E.
