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Adaptive mechanismusbasierte Intervention bei anhaltenden somatischen Symptomen: Eine experimentelle randomisierte kontrollierte Studie bei Patient:innen mit Reizdarmsyndrom und Colitis ulcerosa (SOMA.GUT.2)

Fachliche Zuordnung Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Gastroenterologie
Förderung Förderung seit 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 445297796
 
Hintergrund: Reizdarmsyndrom (RDS) und Colitis ulcerosa (CU) betreffen weltweit ca. 4% bzw. 0,3% der Bevölkerung. Trotz unterschiedlicher Pathophysiologie zeigen beide persistierende gastrointestinale (GI) Symptome wie abdominelle Schmerzen, veränderte Stuhlgewohnheiten und Veränderungen des intestinalen Mikrobioms. Wirksame Optionen zur Symptomkontrolle sind begrenzt. Im Rahmen von SOMACROSS entwickelte biopsychosoziale Modelle identifizierten modifizierbare psychologische Faktoren – v.a. dysfunktionale Symptomerwartungen und krankheitsbezogene Ängste – als Treiber der Symptompersistenz. Ergebnisse der ersten Förderphase (FP1): In der dreiarmigen SOMA.GUT-Studie verbesserte eine mechanismusbasierte Intervention dysfunktionale Symptomerwartungen und krankheitsbezogene Ängste nach 3 Monaten und GI-Symptome nach 12 Monaten. Zudem ergaben sich Hinweise auf Mikrobiomveränderungen. Ziele: SOMA.GUT.2 wird die Intervention in Zielausrichtung, Dosierung und Personalisierung weiterentwickeln. Die Intervention umfasst aus FP1 abgeleitete, therapeutisch angeleitete Online-Module mit je 4 Sitzungen: SOMA.EXPECT (dysfunktionale Erwartungen), SOMA.SYMP (symptombezogene Belastung) und SOMA.COPE (Depression). Wir hypothesieren, dass die personalisierte, mechanismusbasierte Intervention plus Standardversorgung (GUT.ADAPT + SC) nach 6 Monaten der alleinigen SC in der Verbesserung der GI-Symptomschwere überlegen ist. Erwartet werden auch Mikrobiomveränderungen und Evidenz aus patientenspezifischen gnotobiotischen Mausmodellen, die darauf hinweisen, dass diese Veränderungen die klinischen Vorteile teilweise vermitteln. Arbeitsprogramm: In die zweiarmige, randomisiert-kontrollierte SOMA.GUT.2-Studie werden 160 Patient:innen mit ärztlich gesichertem RDS oder CU eingeschlossen (Randomisierung 1:1). Alle Interventionsteilnehmenden beginnen mit SOMA.EXPECT; bei persistierenden Symptomen folgen SOMA.SYMP und/oder SOMA.COPE. Primärer Endpunkt ist die GI-Symptomschwere (IBS-SSS) nach 6 Monaten. Sekundäre Endpunkte sind Veränderungen der adressierten Mechanismen und der Mikrobiota. Längsschnittliche Mediationsmodelle prüfen Wirkpfade. In einer Subgruppe erfassen EMA und Wearables kurzfristige Dynamiken zwischen Symptomen, Mechanismen und autonomen Signalen. Stuhlproben von Respondern und Non-Respondern werden in keimfreie Mäuse transplantiert, zur Generierung patientenspezifischer gnotobiotischer Modelle für Kolitis-Experimente und Verhaltenstests. Erwartete Auswirkungen: SOMA.GUT.2 wird robuste Evidenz zu Mechanismen persistierender GI-Symptome liefern. Die Integration von klinischer Forschung, digitalem Monitoring, Mikrobiomanalysen und gnotobiotischen Modellen trägt unmittelbar zur Entwicklung wirksamerer und zielgerichteterer Therapien für GI-Symptome bei RDS und CU bei. Der parallele Vergleich beider Erkrankungen ermöglicht die Unterscheidung störungsspezifischer von transdiagnostischen Mechanismen und schafft die Grundlage für passgenaue Behandlungen.
DFG-Verfahren Forschungsgruppen
Internationaler Bezug Belgien, Niederlande
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner Professor Omer van den Bergh, Ph.D.; Professorin Dr. Judith Rosmalen
 
 

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