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Beeinflussung biologischer und psychosozialer Mechanismen von generischem und Pruritus-bezogenem Stress bei Patient:innen mit chronischem Pruritus (SOMA.PRU.2)

Fachliche Zuordnung Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Dermatologie
Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung seit 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 445297796
 
Hintergrund: Etwa 22% der Bevölkerung sind von chronischem Pruritus (CP) betroffen, leiden unter einer verminderten Lebensqualität und hoher psychischer Belastung. Stress ist zentral in dieser Belastung, da er über neuroimmune und psychologische Mechanismen einen Juckreiz-Stress-Kreislauf aufrechterhält. Die Veränderbarkeit dieser Mechanismen, einschließlich biologischer Veränderungen nach psychologischen Interventionen, wurde bei CP bislang unzureichend untersucht. Ergebnisse der ersten Förderphase: SOMA.PRU (N=166) untersuchte in einer 12-monatigen Beobachtungsstudie biologische und psychosoziale Faktoren bei atopischer Dermatitis (AD), chronischem Pruritus auf nicht-läsionaler Haut (CPNL) und gesunden Kontrollen. Über 60% der Patient:innen zeigten unter Standardtherapie keine suffiziente Pruritusverbesserung. Stress erwies sich als zentraler Mediator, der mit stärkerem Pruritus, beeinträchtigter Hautbarriere und einer Hautnerven-Sensibilisierung assoziiert war; besonders hohe Werte fanden sich bei 16% Patient:innen mit somatischer Belastungsstörung. Biomarkeranalysen identifizierten systemische Entzündungen (z. B. suPAR) als Prurituskorrelat. Transdiagnostische Analysen bei AD, CPNL sowie chronischen Leber- und Nierenerkrankungen ergaben übereinstimmende Therapieziele und stützen einen mechanismusbasierten Ansatz. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse einen bislang ungedeckten Behandlungsbedarf und identifizieren stressassoziierte Mechanismen als wichtige Ansatzpunkte für die Interventionsentwicklung. Ziele: SOMA.PRU.2 untersucht das Zusammenspiel von Pruritus-bezogenem und generischem Stress und Biomarkern in Haut, Speichel und Blut bei AD, chronischer Prurigo (CPG) und CPNL, ergänzt durch eine transdiagnostische Validierung bei chronischen Leber- und Nierenerkrankungen. Durch die Kombination von Fragebögen, Biomarkern, Ecological Momentary Assessments (EMA) und Wearables wird SOMA.PRU.2 beleuchten, ob eine psychologische Intervention additiv z.ur Standardtherapie dieses Zusammenspiel modulieren kann. Arbeitsprogramm: Patient:innen mit AD, CPG und CPNL (N=120) erhalten randomisiert eine zusätzliche, mechanismusbasierte psychologische Intervention (SOMA.SYMP = Pruritus-bezogener, SOMA.COPE = generischer Stress) oder ausschließlich Standardtherapie. EMA und Wearables erfassen temporale Zusammenhänge zwischen Pruritus, Stress und Herzratenvariabilität. 3D-Bildgebung mit einer Nanometer-Auflösung untersucht die Hautbarriere, sensorische Tests die neuronale Sensibilisierung. Hautbiopsien analysieren das Hautschicht-spezifische Proteom und die Nervenfasern. Stresssensitive Biomarker werden in Blut und Speichel evaluiert. Erwartete Auswirkungen: SOMA.PRU.2 beleuchtet durch die Integration von Biomarkern, EMA- und Wearable-Daten detailliert, wie stressbezogene Mechanismen Pruritus beeinflussen und ob eine psychologische Intervention Pruritus und Stress reduziert. In Kollaboration mit SOMACROSS.2 wird die transdiagnostische Relevanz von CP aufgezeigt.
DFG-Verfahren Forschungsgruppen
 
 

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