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Gemeinsames versus alleiniges Sorgerecht nach Scheidung: Kausale Auswirkungen auf Kinder und das familiäre Umfeld

Fachliche Zuordnung Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Statistik und Ökonometrie
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 461990677
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dieses Projekt liefert neue kausale Evidenz darüber, wie sich gemeinsame im Vergleich zu alleinigen Sorgerechtsregelungen nach einer Scheidung auf Eltern und Kinder auswirken. Sorgerechtsregelungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des Familienlebens nach einer Scheidung, da sie bestimmen, in welchem Ausmaß sich jeder Elternteil am Leben des Kindes beteiligt. Während in vielen westlichen Ländern zunehmend das gemeinsame Sorgerecht gefördert wird, gibt es bislang nur begrenzte belastbare Evidenz zu dessen tatsächlichen Auswirkungen. Diese Lücke ist größtenteils auf eingeschränkte Datenverfügbarkeit und Selektionsverzerrungen zurückzuführen, die es erschweren, die Effekte der Sorgerechtsregelung von familiären Merkmalen zu isolieren. Wir begegnen diesen Herausforderungen, indem wir die überwiegende Mehrheit der Sorgerechtsfälle in Schweden über einen Zeitraum von dreißig Jahren untersuchen und dabei ein besonderes institutionelles Merkmal nutzen: Sorgerechtsfälle werden zufällig Richtern zugewiesen, die sich systematisch in ihrer Wahrscheinlichkeit unterscheiden, gemeinsames Sorgerecht zusprechen. Für diese Analyse haben wir einen umfangreichen Datenerhebungsprozess durchgeführt und einen einzigartigen Datensatz erstellt, der manuell erfasste Sorgerechtsentscheidungen schwedischer Bezirksgerichte mit detaillierten Verwaltungsdaten zu familiärem Hintergrund, Bildung, Einkommen und Gesundheit verknüpft. Diese Kombination aus juristischen und administrativen Daten ermöglicht es uns, eine breite Palette von Ergebnissen für Eltern und Kinder zu analysieren. Wir verwenden einen Instrumentvariablenansatz, wobei die Tendenz des zugewiesenen Richters, gemeinsames Sorgerecht zu vergeben, als Instrument dient. Dieses Design erlaubt es uns, vergleichbare Familien mit unterschiedlichen Sorgerechtsentscheidungen zu vergleichen, die ausschließlich auf der zufälligen Richterzuteilung beruhen, und liefert damit glaubwürdige Schätzungen der kausalen Effekte von gemeinsamem gegenüber alleinigem Sorgerecht. Erstens verbessert gemeinsames Sorgerecht die Testergebnisse von Kindern und erhöht ihre Wahrscheinlichkeit, hochwertige Grundschulen zu besuchen. Es hat jedoch keinen Einfluss auf ihre psychische Gesundheit. Zweitens sind die größten Effekte bei Vätern zu beobachten: Ihr Einkommen steigt, und sie nehmen seltener Antidepressiva oder angstlösende Medikamente ein. Drittens zeigt sich kein signifikanter Effekt auf das Einkommen oder die psychische Gesundheit von Müttern. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der elterlichen Beteiligung nach einer Scheidung, insbesondere für Väter. In 79 Prozent der Fälle mit alleinigem Sorgerecht verlieren Väter jeglichen Kontakt zu ihren Kindern, was nachhaltige Auswirkungen auf ihre wirtschaftliche Stabilität und psychische Gesundheit hat. Die Förderung des gemeinsamen Sorgerechts könnte daher nicht nur die Bildungsergebnisse von Kindern verbessern, sondern auch die allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Perspektiven von Vätern nach der Scheidung stärken.

 
 

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