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Parametrisierte Frames und konzeptuelle Räume

Fachliche Zuordnung Theoretische Philosophie
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 462340335
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt hatte zum Ziel, zwei konkurrierende Theorien über die Struktur des Gehalts von Konzepten (Begriffen) zu vergleichen, nämlich Conceptual Spaces (CS) und (parametrisierte) Frames. Beide Theorien teilen eine funktionale Struktur: Konzepte basieren auf Attributen, also Funktionen X, die Objekten a Werte aus einem Wertebereich Val zuweisen: X(a)∈Val. Beispielsweise weist das Attribut „Farbe“ einem gegebenen Objekt einen Wert im Wertebereich Val={rot,grün,...} zu: Farbe(meinHemd)= rot. Natürlich gibt es auch bemerkenswerte Unterschiede. Frames bestehen einerseits aus Bündeln von Attributen mit einer rekursiven Struktur, die in CS nicht zu finden ist. CS hingegen verbinden Wertebereiche mit topologischen oder geometrischen Strukturen, die in Frames fehlen. Während der Vergleich von Frames und CS nur zu Beginn des Projekts durchgeführt wurde, konzentrierten wir uns im weiteren Verlauf auf die Untersuchung von CS, was der Aktualität von CS in der aktuellen philosophischen Landschaft und den spezifischen Kompetenzen unseres Teams Rechnung trug. Ein Hauptfokus unserer Forschung lag auf der Theorie der Natürlichkeit im CS-Ansatz. Die Idee dabei ist, dass natürliche Konzepte und Eigenschaften bestimmte geometrische Eigenschaften haben – vor allem die der Konvexität. Gärdenfors stellt diesen Ansatz als Lösung für das altbekannte „Neue Rätsel der Induktion“ von Nelson Goodman vor. Ausgangspunkt der Diskussion war ein Workshop, der im Mai 2023 von dem Doktoranden Sebastian Scholz mit dem Titel „Die kognitiven und ontologischen Dimensionen der Natürlichkeit“ organisiert wurde. Es gibt eine gewisse Diskrepanz zwischen der von Gärdenfors vertretenen kognitiven Natürlichkeit und dem, was traditionell in der Metaphysik der Wissenschaft unter diesem Begriff diskutiert wird. Einfach gesagt geht es in der metaphysischen Debatte um die „Knotenpunkte (bzw. Gelenke) der Natur“, während es bei CS um die „Knotenpunkte des Denkens“ geht. Dies warf die wichtige Frage nach der Beziehung zwischen diesen beiden Konzepten der Natürlichkeit auf. Der Workshop führte zu einer Sonderausgabe der Zeitschrift Philosophia, in der die vielfältigen, teils interdisziplinären Beiträge der internationalen Gäste – einschließlich Gärdenfors selbst – veröffentlicht wurden. Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass Gärdenfors' kognitive Natürlichkeit tatsächlich Merkmale wie kognitive Effizienz und Projektierbarkeit erfasst, was für CS spricht. Allerdings gibt es auch Zweifel, ob sein Ansatz als allgemeine Theorie der Natürlichkeit angesehen werden kann, da er die metaphysischen Fragen, die üblicherweise mit diesem Begriff verbunden sind, nicht behandelt. Auch wenn der CS-Ansatz möglicherweise keine allgemeine Theorie der Natürlichkeit ist, scheint er jedoch die konzeptionelle Struktur des menschlichen Denkens recht gut zu beschreiben. Um die Zeit des Workshops trat Matías Osta-Vélez, ein CS-Spezialist, dem Team bei. Ein zweiter Workshop wurde im Juni 2024 in Düsseldorf von Osta-Vélez, Sebastian Scholz und Maria Sekatskaya organisiert. Es handelte sich um den 6. offiziellen Workshop „Conceptual Spaces at Work“, bei dem erneut wichtige Vertreter:innen der Forschungsgemeinschaft anwesend waren. Generell sprechen unsere Forschungsergebnisse für die Vielseitigkeit von CS. Auf diese Weise hat unser Projekt dazu beigetragen, sowohl das Potenzial wie die Grenzen von Conceptual Spaces zu erkunden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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