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Beethoven oder Debussy? Rezeption deutscher und französischer Musik in Japan von 1924 bis 1945 – Studien zum Kulturtransfer

Antragstellerin Dr. Minari Bochmann
Fachliche Zuordnung Musikwissenschaften
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 465147558
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt befasste sich mit der Rezeption europäischer Musik in Japan und stützte sich dabei auf die Annahme, dass jedes musikalische Konzept aus Europa bei der Übernahme durch die Japaner eine Loslösung von seinem ursprünglichen Entstehungskontext und eine Modifikation für die eigenen Zwecke der japanischen Gesellschaft erfährt. In diesem Projekt verstehen sich solche Modifikationen nach der Definition der Kulturtransfertheorie als „kreative Missverständnisse“, die durch Anpassung europäischer Musik an die Bedürfnisse oder Interesse der Japaner „absichtlich“ herbeigeführt werden. Der Fokus dieses Projekts richtete sich auf die Identitätszuschreibung deutscher, französischer und japanischer Musik im japanischen Musikdiskurs von 1924 bis 1945. Auf diese drei Länder beschränkte sich das Projekt hauptsächlich aufgrund der folgenden Fakten: Nach der Landesöffnung in der Mitte der 1850er Jahre erfolgte die kulturelle Annäherung Japans an Deutschland frühzeitig, so dass die Wiener Klassik und Romantik in den folgenden Jahrzehnten in allen staatlichen Musikinstitutionen als Inbegriff der europäischen Kunstmusik gepflegt wurden; nach dem Ersten Weltkrieg stieß der neue Stil von Claude Debussy, der als Inbegriff französischer Musik verstanden wurde, aufgrund seiner relativen „Nähe“ zur traditionellen japanischen Musik unter Komponisten zunehmend auf Interesse; daraus gingen 16 junge Komponisten hervor, die sich 1930 zum „Neuen Komponisten-Verband“ organisierten, der bei der Gründung einer japanischen „Nationalmusik“ eine zentrale Rolle spielte und gleichzeitig seine Verbindung zu Paris intensivierte. Die Einbeziehung deutscher Musik in die staatlichen Angelegenheiten ist über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinweg konstant erkennbar. Hatte der japanische Staat in den 1880er Jahren Beethovens Musik verwendet, um seine eigene Doktrin zu verbreiten und die Umstrukturierung des Landes in den Kaiserstaat zu beschleunigen, so nutzte er diese weiterhin in der Propaganda für den Krieg gegen die USA im Pazifik (1941–1945). Selbst die „Nähe“ der französischen Musik zur japanischen Musik konnte die Vormachtstellung deutscher Musik in den staatlichen Angelegenheiten nicht kontern. Nur war sie jedoch dazu befähigt, kompositorische Strömungen gegen die Germanophilie auszulösen und Diskussionen darüber aufzuwerfen. Nach der Kapitulation Frankreichs infolge des Westfeldzuges (1940) kam diesen antigermanischen Strömungen noch der musikalische Folklorismus Bèla Bartòks hinzu, realpolitisch gekoppelt mit dem Beitritt Ungarns zur „Achse Berlin-Rom-Tokio“ (1940). Dabei wurde die Hinwendung zum Stil Bartòks anhand des Turanismus – einer aus Ungarn stammenden Idee der Pan-Bewegung – auch im ethnischen Sinne legitimiert. Blieb das Fortbestehen dieser Konstellation auch in den Nachkriegsjahren deutlich erkennbar, so dient dieses Forschungsergebnis dazu, die bislang als politischer Wendepunkt unkritisch hervorgehobenen „Brüche“ genauer zu überprüfen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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