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Platon auf der Suche nach einer Sprache für Zeit

Antragstellerin Dr. Anna Pavani
Fachliche Zuordnung Geschichte der Philosophie
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 470200179
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Mit der einzigen Ausnahme der Vorsokratiker, deren Werke jedoch nur fragmentarisch überliefert ist, kann man mit Recht behaupten, dass es Platon war, der die philosophische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem immer wieder entweichenden Phänomen der Zeit initiierte. Was ist Zeit? Wie erfahren wir Zeit und wie messen wir sie? Gibt es etwas, das sich der Zeit entzieht? Die meisten Versuche, eine platonische Theorie der Zeit zu rekonstruieren, sowohl in der Antike als auch in der rezenten Fachliteratur, beziehen sich auf eine komplexe und bekanntermaßen schwierige Stelle des Timaios, welcher als Platons Kosmologie betrachtet werden kann. Dort wird Zeit als bewegtes Abbild der Ewigkeit bestimmt (Tim. 37d5–7). Um dafür zu argumentieren, dass das, was Platon uns über die Zeit lehren kann, über diese eine Stelle im Timaios hinausgeht, wurden zwei zeitliche Begriffe, die im zweiten Teil des Parmenides eine entscheidende Rolle spielen, untersucht. Es handelt sich um das bekannte und immer noch viel diskutierte exaiphnês und das seltener behandelte nun. Es wurde dafür argumentiert, dass die beiden Begriffe interagieren, ohne in einem einzigen Modell zu wirken, welches Veränderung als solche erklären soll, wie die meisten ForscherInnen glauben. Die Besonderheit der platonischen Begriffe wurde durch den Vergleich mit den homonymen Begriffen in der Physik des Aristoteles und durch die Untersuchung der Sprache, mit welcher sie im Dialog eingeführt werden, hervorgehoben. Anderseits, und das ist der distinktive Ansatz meiner Vorgehensweise, wurde gezeigt, dass für Platon unsere Konzeptualisierung der Zeit(losigkeit) untrennbar mit der Art und Weise verbunden ist, wie wir über sie sprechen. Sprechen über das Immer-Werdende ist besonders anspruchsvoll, wie sowohl der Parmenides als auch der Timaios zeigen; das Immer- Gleichbleibende korrekt anzusprechen erweist sich als nicht weniger problematisch, da es immer noch unklar ist, was das Präsens, welches die einzige Möglichkeit darstellt, adäquat die Unveränderbarkeit anzusprechen, vermittelt. Es wurde festgestellt, dass schon Proklos eine überzeugende Lösung anbietet in dem er zwei Arten von Präsens unterscheidet. Bezüglich des Präsens und der zeitlich bestimmten Sprache wurde es dafür argumentiert, dass der Timaios und der Parmenides gar nicht im Widerspruch stehen, auch wenn es prima facie das so scheinen mag. Beide Dialoge beweisen, dass unsere Art und Weise, über die Zeit und die Zeitlosigkeit zu sprechen, eine intrinsische Schwierigkeit offenbart. Beide Dialoge zeigen aber auch eine grundlegende Fehlauffassung, die wir überwinden müssen, indem wir nach einer angemessenen Sprache suchen. Das ist ein Ziel, von dem wir immer noch weit entfernt sind. In seiner Komplexität kann Platons eigener Vorschlag, Zeit und Zeitlosigkeit zu begreifen und in Worte zu fassen, mit Recht als erster Schritt in diese Richtung betrachten werden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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