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Verbesserung des Graft-versus-Leukämie Effekts durch therapeutische Beeinflussung von metabolischen Interaktionen zwischen Tumorzellen und Immunzellen

Fachliche Zuordnung Hämatologie, Onkologie
Immunologie
Förderung Förderung von 2021 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 492259164
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die akute myeloische Leukämie (AML) kann mit einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation (allo-HSZT) durch den immunologischen Graft-versus-Leukämie (GVL) Effekt geheilt werden. Nichtsdestotrotz sind AML-Rezidive mit >30% aller allo-HSZT Empfänger häufig. Zellulärer Metabolismus ist essenziell für die AML-Resistenz gegenüber Chemotherapie, aber weniger ist darüber bekannt wie Metabolismus die Fähigkeit von AML-Zellen steuert, die Anti-Tumor-Immunantwort zu umgehen. Ich stellte die Hypothese auf, dass der Selektionsdruck durch eine Chemotherapie Stoffwechselveränderungen in AML-Zellen induziert und dies unter anderem eine erhöhte Resistenz gegenüber der Anti-Tumor-Immunität bedingen könnte. Mein Ziel war es daher, solche Stress-induzierten metabolischen Veränderungen bei der AML zu definieren und ihre funktionelle Bedeutung für den GVL-Effekt zu untersuchen. Ich beobachtete, dass Chemotherapie Behandlung zu einer erhöhten intrazellulären Konzentration von Kreatin in drei separaten AML-Modellen führte (HL-60 und RMB-1 Zellen in vitro, und MLLPTD/+ FLT3ITD/+ AML in vivo). Weiterhin stellte ich fest, dass die Anreicherung von Kreatin über die Aufnahme durch den Transporter SLC6A8 aus dem extrazellulären Raum erfolgte. SLC6A8-defiziente AML-Zellen wiesen ein langsameres Wachstum in drei unterschiedlichen Mausmodellen von allo-HSZT auf. Interessanterweise hatten SLC6A8-defiziente AML-Zellen ein ungehemmtes Wachstum, wenn T-Zellen nicht transplantiert wurden. Dieses Ergebnis zeigte, dass SLC6A8 die Resistenz von AML-Zellen gegenüber der Anti-Tumor Immunantwort steuerte. Meine erste Hypothese war, dass die hohe Expression von SLC6A8 auf AML-Zellen zu einer Depletion von Kreatin aus dem Extrazellulärraum führen könnte und somit die Funktion von zytotoxischen T-Zellen (die auch auf eine ungestörte Kreatin-Aufnahme angewiesen sind) hemmen könnte. Allerdings waren auch im Falle einer AML hohe Mengen Kreatin in der Knochenmarkflüssigkeit von Mäusen und PatientInnen verfügbar. Meine nächste Hypothese war, dass Kreatin Metabolismus die Erkennung von AML-Zellen durch das Immunsystem beeinflussen könnte. Tatsächlich führte eine SLC6A8 Defizienz zu einer erhöhten Expression von MHC Klasse II Molekülen. Zuletzt beobachtete ich, dass primäre AML-Zellen eine höhere SLC6A8 Expression als gesunde CD34+ Zellen hatten. Zusammenfassend habe ich gezeigt, dass zytotoxischer Selektionsdruck durch Chemotherapie eine Änderung der metabolischen Programme in AML-Zellen hervorruft, insbesondere eine Erhöhung der intrazellulären Kreatinkonzentration durch SLC6A8-vermittelte Aufnahme. SLC6A8-defiziente Zellen wurden effizient durch allogene CD4+/CD8+ T-Zellen in Mausmodellen einer allo-HSZT abgestossen. Daher schlage ich Kreatinaufnahme über SLC6A8 als einen innovativen biologischen Mechanismus vor, welcher die Resistenz von AML-Zellen gegenüber der allogenen Anti-Tumor-Immunantwort steuert.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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