Detailseite
Mensch und Technologie. Kontroverse Diskurse zur Technisierung der Lebenswelt (TP 2: Mensch und Technologie, Phase 2: Digitalisierung)
Antragstellerinnen / Antragsteller
Professor Dr. Marcus Müller; Professorin Dr. Constanze Spieß
Fachliche Zuordnung
Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Förderung
Förderung seit 2022
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 441142207
Das Teilprojekt 2 der Forschungsgruppe "Kontroverse Diskurse" widmet sich der Diskursgeschichte der semantischen Grundfigur 'Mensch und Technologie' seit 1990. Während in der ersten Förderphase exemplarisch Bioethikdebatten untersucht wurde, liegt in der zweiten Förderphase der Fokus auf dem Digitalisierungsdiskurs. Dabei geht es um die diskurshistorischen Grundlagen der aktuellen Debatte um Künstliche Intelligenz. Es soll nachvollzogen werden, wie sich das konzeptuelle Netzwerk rund um „Digitalisierung“ herausgebildet und entwickelt hat und wie es lexikalisch und grammatisch im öffentlichen Diskurs repräsentiert ist. Das Ziel des Teilprojekts besteht darin, die Dynamik der diskursiven Bedeutungsbildung und der sprachlichen Routinisierungen in Digitalisierungsdebatten zu rekonstruieren. Unsere Leitfragen zielen auf die Verschiebung des Menschenbildes im Zuge technologischer Transformationen, die Integration neuer Technologien in gesellschaftliche Wissensbestände, die Veränderung von Argumentationsfiguren im Zeitverlauf sowie Konfliktkonstellationen zwischen individueller Freiheit und technologischer Einschränkung. Das methodische Vorgehen verbindet statistische Datenexploration, manuelle und halbautomatische Annotation und diskurshistorische Interpretation. Die Datengrundlage umfasst neben den relevanten Zeitungstexten und Bundestagsreden aus dem Stammkorpus der Forschungsgruppe (1990–2025) auch Stellungnahmen von Akteuren der Digitalisierungsdebatte, beispielsweise vom Chaos Computer Club, dem Hochschulforum Digitalisierung, der Plattform Industrie 4.0 oder dem Podcast der Digitalkonferenz re:publica. Daran werden lexikalische Entwicklungen, morphosyntaktische Routinisierungen und konzeptuelle Relationen analysiert. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frame-Dynamik, der Diskursgrammatik (Morphologie, Syntax, Konnektoren) und den Argumentationstopoi. Die Arbeitspakete beinhalten die Erweiterung und Aufbereitung des Korpus, statistische und semantische Analysen, Frame- und Topos-Annotation, Untersuchungen zu Diskursgrammatik und metaphorischen Konzepten sowie den Vergleich mit den Analysen zum Bioethikdiskurs aus Projektphase1. Das Teilprojekt wird neben methodischen Publikationen und der Qualifikationsarbeit einer*s wissenschaftlichen Mitarbeitenden eine empirisch fundierte, narrative Sprach- und Diskursgeschichte zur semantischen Grundfigur Mensch und Technologie hervorbringen. Zudem entsteht ein digital aufbereitetes, kollaborativ annotiertes Forschungskorpus, das an bestehende Infrastrukturen anschließt und die Nachhaltigkeit der Ergebnisse sichert. Insgesamt leistet Teilprojekt 2 sowohl inhaltlich als auch methodologisch einen wichtigen Beitrag zum übergreifenden Ziel der Forschungsgruppe, die sprachliche Konstitution kontroverser gesellschaftlicher Debatten historisch und systematisch zu erschließen.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
Internationaler Bezug
Schweiz
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner
Professor Dr. Noah Bubenhofer; Professorin Dr. Juliane Schröter
